Wolf + Lamb vs Soul Clap – DJ Kicks

Der Eindruck von Apparats DJ Kicks wirkt noch nach, da legt !K7 die nächste Ausgabe der vielleicht dienstältesten Mix-Compilation-Reihe vor. Mit Wolf+Lamb und Soul Clap zeichnen gleich zwei junge amerikanische Produzentenduos dafür verantwortlich, die – und das bekommt dieser Sammlung gut – sich vor allem auf ihr engeres musikalisches Umfeld konzentrieren. So entsteht ein sehr homogener, in seiner Wärme und Tiefe überzeugender House-Mix. Zumeist mindestens fünf Schläge langsamer als die Tanzfläche es eigentlich verlangen würde, präsentieren die vier Amerikaner einen eher unaufgeregten eigenen Entwurf von Dance-Musik.

Da mag in Tanner Roses „Goodbye, Summer“ noch so sehr die Disco um die Ecke lugen, H-Foundation mit „Tonight“ pumpenden Electro präsentieren oder der Soul-Clap-Remix von Greg Paulus „Suchashame“ sogar den Dubstep oder gar eher 2Step aus der Schublade lassen, im Kern steht hier ein elektronischer Soul Pate, dem es eigentlich egal ist, ob es heut Abend auf die Tanzfläche, an den Strand oder vor den Kamin geht. Es finden sich vokale House-Entwürfe ebenso wie eher technoid anmutende, instrumentale Stücke. Implizit hat hier Disco ebenso einen Eindruck hinterlassen wie es Warp’sche Klangkonstrukte taten – auch wenn letztere nur vielfach gefiltert durchdringen. Im Gesamtzusammenhang der Compilation beeindruckt, wie der vorherrschende langsame Soulhouse trotz eben des reduzierten Tempos zu fesseln und zu beglücken vermag. Weiterhin erstaunt, wie Deniz Kurtel und Gadi Mizrahi in „Crank It Up“ einen hier schon fast schnellen Beat mit einer vollkommen zurückgenommenen Melodie verbinden und, statt den Track zu ruinieren, einfach nur enorme Spannung erzeugen. Soul Claps Faible für Edits lässt sich hier vielleicht in einer Tendenz zu leicht kitschigen Soundtrackklängen wiederfinden. Bei allem Gefallen ist nicht alles zwingend, aber selbst ein potentiell weniger überzeugender Track wie „Takin‘ U Back“ von No Regular Play besitzt noch genug Eigenheiten, um Interesse zu wecken.

Zu den Höhepunkten der Compilation zählt eindeutig der erwähnte, vollkommen reduzierte und absolut faszinierende Remix von Greg Paulus „Suchashame“, aber auch Slow Hands „Rough Patch“ gehört in seiner sommerlichen Luftigkeit, seiner de facto Surf-Atmosphäre dazu. Quasi außer Konkurrenz läuft Nicolas Jaars „Can’t See What Is Burning There“, wogegen Seuil & Le Loup mit dem kaum zu greifenden „Nautil Us“ durchaus extra hervorgehoben werden sollten. Absurdes findet sich im House immer wieder – dazu braucht es nicht DJ Koze – aber dieses potentiell Seltsame weiß häufig ebenso zu gefallen. Dies beweist hier „Walk And Talk“ von Benoit & Sergio. Manches mag zwar herkömmlich wirken, aber am Ende ist diese DJ Kicks tatsächlich hochgradig hörenswert. Ein Urteil, das vom abschließenden „Fridays With Her“ noch einmal betont wird.

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