Schwefelgelb – Das Ende Vom Kreis

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Byte.FM, NDR Info, … alle stellen Schwefelgelbs neues Album „Das Ende Vom Kreis“ ausführlich vor. Ein Album, das bei diesem Rezensenten beim ersten Hören einen gewissen Brechreiz verursachte – und damit einiges gemein hat mit Hurts‘ „Happiness“. Wie bei diesem aber stellt sich beim wiederholten Hören durchaus Gefallen ein. Aber wie oft hör ich ein Album freiwillig, das ich beim ersten Konsumieren eher ungenießbar finde?

In der Hauptsache präsentieren Sid und Eddy stumpf-stampfigen – um die NDR Nightlounge zu zitieren – elektronischen Wave und Electropunk. Hinzu kommen ein gewisses Maß an Assilectro sowie Melodieversatzstücke, die nicht klar definierbare Erinnerungen an Welthits des Pop hervorrufen. Damit transformieren Schwefelgelb auch auf ihrem zweiten Album den Klang der Deutsch Amerikanischen Freundschaft von vor 30 Jahren ins Jetzt. Im Gegensatz zu den deutschen Wave-Punk-Electro-Vorreitern der frühen 1980er Jahre führen sie ihre Stücke in einer kristallklaren Produktion vor, die den rohen Charme ihrer Vorgänger durch eine sterile Kälte ersetzt. Beibehalten wird allein die durchgängig pumpende Dringlichkeit der Beats. Statt dystopischem industriellem Dreck bieten Schwefelgelb die digitale Leere zwischen Nullen und Einsen.

In der Tat finden sich auf „Das Ende Vom Kreis“ einige echte Hits mit wahrem Ohrwurmcharakter. Dazu gehört jedoch nicht die Sammlung brutalelektronischer Pseudo-Hardstyle-Nummern mit den Namen „Rückwärts Vorwärts“ und „Schwarz-Weiss“. Allerdings besitzt „Rückwärts Vorwärts“ eingeflochtene Melodie-Elemente, die fast – aber nur fast – die abgeschmackte Beat-Kulisse vergessen lassen, dagegen gehört „Schwarz-Weiss“ auf die musikalische Sondermülldeponie – ein wenig Übertreibung sei gestattet. Beide werden jedoch mit Sicherheit in den Clubs Schweiß und Blut von der Decke tropfen lassen. Auch „Ganz Egal Was Ich Mach“ gehört in die Nachbarschaft dieser Stücke, die ebenso auf Melt! wie auf Nature One funktionieren und die zudem Schwefelgelb zu den größten Konkurrenten David Guettas aufsteigen lassen sollten.

Ebenfalls nicht zu den Hits des Albums, aber zu den Höhepunkten gehören die beatreduzierten, elektronischen (Balladen ist das falsche Wort) in sich selbst versunkenen Stücke wie „Unser eigener Müll“ sowie das kitschig-perfekte „Regen aus Rosenquarz“. Einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt das eher träge vor sich hin pochende „Solange Du Atmest“. Einerseits legt es eben über weite Strecken eine fast dröge Langsamkeit an den Tag, besitzt aber durch die Struktur der Beats, Bleeps und Clicks eine nervenaufreibende Intensität.

Es war die Rede von Hits: „Von Allem Zu Viel“ gehört mit in Musik gegossener potentieller Ekstase dazu, programmierten Hormonräuschen und -überdosen sowie garantiert tobenden Clubs und Festivals in 2011. Die weiteren Hits auf „Das Ende Vom Kreis“ heißen „Wie Ich Heiss“, „Alle Sterne“ und „Zu Zweit“. Sie alle besitzen einen gehörigen Ohrwurm-, wie aber auch einen nicht zu geringen Nerv-Faktor. Genau wie das Album insgesamt.

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