Modeselektor proudly presents Modeselektion Vol. 01

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Das symbiotische Wesen Moderat tritt dieser Tage wieder getrennt auf und veröffentlicht zwei Kompilationen. Einerseits erschien Mitte Oktober Apparats DJ Kicks, andererseits legen Modeselektor jetzt Anfang November ihre „Modeselektion Vol. 01“ vor. Mit CD, Vinyl und Singles unter diesem Titel kommt dann auch ihr Label „Monkeytown“ richtig in Fahrt, nachdem bisher ausschließlich die Siriusmo-Veröffentlichungen existierten.

Dieser darf nun auch die Compilation eröffnen und verursacht damit erstmal einen Stotter-Start. Das Problem löst sich aber schnell in Wohlgefallen auf und die „Modeselektion“ kommt erfolgreich in Schwung. So erfolgreich sogar, dass nach knapp 80 Minuten tatsächlich eine gewisse Überforderung diagnostiziert werden kann.

Der ausgewählte „Mode“ für die erste Ausgabe ist die Schnittmenge aus Dubstep und Techno, die dieses Jahr nicht nur bereits auf Marcel Dettmanns selbstbetiteltem Album an unser Ohr drang. Modeselektor setzen also im Grunde direkt beim Moderat-Projekt an und dieses fort. Dabei versammeln sie – subjektiv – nicht nur Herausragendes, und dennoch steht im Gesamturteil mehr als nur wohlwollendes Staunen. Am Ende der „Modeselektion“ klingeln einem die Ohren, und auch die anderen Sinne feiern das Feuerwerk.

An den Grenzen zwischen Techno und Dubstep hat sich eine tiefe Liebe entwickelt, die hier aus – fast – jedem Ton ihr Glück hervorruft. Beginnend mit den pumpenden Bässen in SBTRKTs „The Unspoken“ und endend mit den stolpernd-hüpfenden in Bok Boks „Say Stupid Things“ präsentieren Modeselektor den Bass-Modus in seinen überzeugendsten Momenten. Zwar findet sich auch das ein oder andere nur bedingt zwingende Stück (z. B. der Feadz-Beitrag) sowie manch Zwiespältiges (sowohl Dettmanns „Lyrate“ als auch Ramadanmans „Pitter“ haben neben großen Momenten auch das ein oder andere Enervierende an sich), den Gesamteindruck dominieren aber die sprachlos hinterlassenden Nummern wie „The Good Star“ von Tadd Mulinix und Daniel Meteo, das einfache, aber perfekt funktionierende „Space Station Love Affair“ von Cosmin TRG oder Digital Mystikz-Mala Electro-Dub „Explorer“. Hinzu gesellen sich das pulsierende, elektrifizierende „The Wind Up“ von 2562, Apparats bedrohlich pluckerndes „King Of Clubs“ oder Modeselektors eigener Beitrag „VW Jetta“, der mit den direktesten Effekt auf die Tanzmuskulatur hat. Eher sanft daher schleicht Robag Wruhmes „Bierholer“, darf aber ebensowenig unerwähnt bleiben wie „Hum“ von Ikonika und Optimum, das in seiner tribalistischen Einfachheit den Charakter der Sammlung namens „Modeselektion“ vielleicht mit am besten zusammenfasst. Nach hinten hinaus erweitert der kraftwerkartige Capsicum-Edit von Cylobs „Pepper Spray“ die Dimension des Albums sogar noch überzeugend. Alles überstrahlt jedoch Sheds „With Bag And Baggage“ mit experimenteller Herausforderung und elektrisierender Spannung.

Mit Apparat, Shed, Feadz, Robag Wruhme (Wighnomy Brothers) und sich selbst haben Modeselektor genug Namen auf ihre „Modeselektion Vol. 01“ gepackt, um das Interesse vieler Leute zu wecken, die mit der präsentierten Schnittmenge aus Dub, Dubstep und Techno nicht zwangsweise so viel zu tun haben. Besonders, wenn die besagten Lockmittel Apparat und Shed heißen, wird diese Neugierde sicher belohnt werden. Bei den expliziten Fans zwischen Ostgut, Hyperdub und potentiell Basic Channel steht diese „Modeselektion“ wahrscheinlich eh schon seit Monaten auf dem Zettel.

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