Magda – From The Fallen Page

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Nach Marc Houles „Drift“ erscheint nun mit Magdas „From The Fallen Page“ also innerhalb eines Monats das zweite latent dystopische Album auf Minus. Magda schafft es dabei durchgängig, den Hörer in höchster Anspannung zu halten und gönnt ihm keinerlei Flucht aus ihrer düsteren Techno-Klanglandschaft. Verallgemeinert steht das Album im Spannungsfeld aus melodischen Elementen und reduzierter, reiner Perkussion. Selbst wenn die Soundscapes gelegentlich Raum zum Tanzen lassen, steht doch die Erschaffung bedrohlicher, den Hörer emotional anstrengender Klangräume im Mittelpunkt. Dabei gelingt Magda dieser Effekt tatsächlich maximal, bei gleichzeitiger totaler Minimierung der eingesetzten Mittel. Wo das Album die absoluten Höhepunkte – wie aber auch Tiefpunkte – vermissen lässt, ist die Monotonie der geschaffenen Welten und die erzeugte nervliche Anspannung zwischenzeitlich durchaus anstrengend und ermüdend. Gleichzeitig inszeniert Magda ihre Tracks aber so, dass das Album seine maximale Wirkung entfaltet, wenn es in Gänze gehört wird – und man dabei „Music Box“ unter Umständen ausspart.

Aus dem Rahmen des Albums gerissen funktionieren vermutlich nur wenige Stücke in gleichem Maße wie im Gesamtzusammenhang. Darunter findet sich zum Beispiel das eröffnende „Get Down Goblin“, das in seiner düsteren Bedrohlichkeit, in der in seiner minimalen Inszenierung innewohnenden, surrenden Gefahr dennoch den Hörer auffordert, sich tänzerisch in Bewegung zu setzen. Die nervösen Beats treiben einen voran und entfalten eine hypnotische Wirkung, der sich schwer entzogen werden kann. Wie „Get Down Goblin“ nimmt auch „Lost In Time“ sofort gefangen. Außerordentlich atmospärisch erzeugt es mit die nervenaufreibendste Stimmung im Albumverlauf. Der monoton voranschreitende Bass und seine bouncende Variation entfalten einen außergewöhnlichen Sog. Der dritte Höhepunkt des Albums ist sicherlich das seinem Namen alle Ehre machende „Doom Disco“. Ekstase im eigenen verhängnisvollen Schicksal wohnt ihm inne. Des Weiteren erwähnt werden sollten die Science-Fiction-Odyssee „Your Love Attack“ in ihrer Reduktion, in ihrer Konzentration auf einzelne perkussive Klänge sowie der sich aus reinen Sphärenklängen erhebende, dystopische Clubtrack „Entertainment“. Das abschließende „Japan“ bietet im reduzierten Arrangement einen treibenden Funk, den im Verlauf hineingewobene discoide Synthesizerfetzen verstärken. Magdas „From The Fallen Page“ gelingt als hochklassige, als psychisch anstrengende Kopfkino-Inszenierung, die in manchen Momenten eine zeitliche Straffung verdient hätte, die insgesamt aber erschöpft und begeistert zurücklässt.

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