Driver & Driver – We Are The World

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Nehmen wir es vorneweg: „We Are The World“ von Driver & Driver ist wahrscheinlich das beste Audiolith-Album, das (aber) nicht auf Audiolith erscheint. Das heißt: „We Are The World“ ist komplett altmodisch, im Grunde langweilig und absolut … irrelevant. Electropunk war Mitte der 00er Jahre schon nicht mehr interessant, nervte, und der Versuch, eine Pseudo-Anti-Attitüde mit den ewig gleichen bratz-bratz-rave-electro-techno Beats zu verbinden, scheiterte in 90 Prozent der Fälle damals schon. Das alles gilt heute verstärkt, und die Verschmelzung von pseudo-politischer Anti-Haltung mit Partymusik ist heute noch hirnverbrannter, peinlicher als damals schon und im schlimmsten Fall – und damit vermutlich meistens, wenn auch vielleicht nicht bei Driver&Driver – einfach nur heuchlerisch. Natürlich funktioniert die ungefähr 2005 zu Tode gerittene Masche auch heute noch. Die Partymeute – böse formuliert, die Jugendhauslandjugend – geht automatisch steil und die „Botschaft“ der Stücke sorgt für ein gutes Gefühl, eine Distinktion vom Establishment und ein (spät-)jugendliches Rebellentum. Der Unterschied zwischen Wutbürger und Electropunker ist graduell. Alle finden sich auf der White Stage des Hurricane, dem Immergut, dem Melt oder dem SonneMondSterne und selbst auf der Fusion nebeneinander wieder und haben eine gute Zeit beim Feiern – am besten druff und durch.

Weil dem so ist, und weil Driver & Driver das vermutlich durchaus wissen, ließe sich die auditive Feieruntermalung und intellektuelle Beleidigung, die „Wie Ar Se Wörlt“ ist, als zynisch-ironische Satire interpretieren. Mehr Spaß – wenn man sich das schon anhören muss – macht es aber, das alles wörtlich zu nehmen. Dann ist diese Beleidigung der Intelligenz auch eine der Ohren, des Abspielgeräts und … überhaupt. Wenn die beiden Fahrer dieser Schose wenigstens den musikalischen Mut – oder die Durchgeknalltheit – besäßen, die einen Jason Forrest, einen Otto von Schirach oder auch Bloody Snowman auszeichnen, aber nein, das – ohne Zweifel vorhandene – Talent bleibt komplett ungenutzt.

Gibt es also gar nichts Positives zu schreiben? Naja, „Curve Discussion“ ist zwar instrumental auch wenig zwingend, aber verweist zumindest auf das erwähnte, ungenutzte Talent; „Kein Model“ könnte mit der richtigen Platzierung fast ein post-kraftwerk’sches, deutsches „Born Slippy“ sein – ist es aber nicht; und „Sicherheitsschrankenmann“ oder „Der kleine Ernst“ helfen den Bezug zu Jason Forrest herzustellen. „Der Kleine Ernst“ – obwohl mit das Nervigste auf diesem Album – verdient zudem eine Erwähnung, weil es leider nicht verhindert werden kann zuzugestehen, dass Driver & Driver im ersten Viertel des Albums durchaus das ein oder andere nette Wortspiel, die ein oder andere treffende Beobachtung präsentieren – insbesondere der Text von „Kampf Im Kulturkaufhaus“ erinnert fast an die Goldenen Zitronen. Aber diese textlich halbwegs überzeugende Maxi-Single, die hier zu Beginn verbraten wird, rechtfertigt weder den musikalischen Unfug, der hier all überall herrscht, noch hilft sie, dieses Album über das Label „Ausschuss“ hinauszuheben. Sagen wir es klar: wäre Electropunk eine Lebensform, hätte sie zwei Perspektiven, Aussterben oder evolutionär weiterentwickeln; da es sich um eine musikalische Schublade handelt, wird wahrscheinlich beides ausbleiben und der gleiche Mist auch noch 2020 als „new hot shit“ verkauft werden.

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