Christiane Rösinger – Songs Of L. And Hate

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Es kann nicht wundern, dass Andreas Spechtl von Ja, Panik die Arrangements für Christiane Rösingers neues Album „Songs Of L. And Hate“ übernommen hat, lässt sich doch vermuten, dass Rösinger, ihre Bands Britta und Lassie Singers zu seinen Vorbildern zählen. Anderseits darf bezweifelt werden, wie viele der – jüngeren – „Ja, Panik“-Freunde Rösingers Namen kennen oder zuzuordnen wissen.

Aber eigentlich ist dieses einleitende Vorgeplänkel vollkommen egal. Die Musik auf „Songs Of L. And Hate“ spricht für sich selbst. Von der barockpoppigen, verstolperten Weimarer-Republik-Musiktheater-Nummer „Berlin“ über „Desillusion“ und „These Days“ bis zum stürmischen „Hauptsache Raus!“ setzen Rösinger und Spechtl die Songs perfekt in Szene. „Berlin“, das vermutlich ebenso „Hamburg“, „Köln“ oder gar „London“ heißen könnte, mag zunächst als Ausdruck einer frustrierten, alternden Kreativschaffenden wirken, ist im Kern jedoch eine ironisch zutreffende Betrachtung der Seltsamheiten der deutschen (Pop-)Kultur am Ende des ersten Jahrzehnts eines neuen Jahrtausends.

Musikalisch wie textlich überragt „Elogie“ den Rest des Albums. Seine Intensität, seine Dringlichkeit gehören zu den Seltenheiten im deutschsprachigen Pop; hier mehr noch als überhaupt stehen Spechtls Arrangement und Rösingers Text in perfekter Verbindung. Zu den weiteren Höhepunkten des Albums gehören das stolpernde – in bester Rösinger-Tradition stehende – „Es Ist So Arg“ wie auch das Lullaby „Kleines Lied Zum Abschied“. Vermutlich trägt Rösinger hier einmal mehr das Eigene – Leben und Empfinden – auf der Zunge, aber ebenso findet sich in ihren Texten, in den Bildern und Wendungen das kleine bisschen Wahrheit aus dem – des Hörers – eigenem Leben. Dagegen gelingt „Desillusion“ als fast einfacher Deutschrockpop, und „Ich Muss Immer An Dich Denken“ begrüßt vollkommen zerbrechlich im Album.

Insgesamt prägen diese Lieder vom Leben die Auseinandersetzung mit den Seltsamheiten, mit der Trostlosigkeit, die zu bekämpfen nicht lohnt, die wegzulachen nicht funktioniert, weshalb allein das – ein leidenschaftsloses Lachen – noch Sinn macht. Die eigene Intelligenz jedoch, die eigene Empathie mit der Welt stehen diesem Vorgehen im Weg. Dies in Worte zu fassen, ist Rösingers Stärke und im Hören von „Songs Of L. And Hate“ wird einmal wieder deutlich, wie sehr sie und ihre Projekte in den letzten Jahren unterschätzt wurden. Die musikalische Umwandlung der Worte gelingt Spechtl und Rösinger kongenial.

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