Apparat – DJ Kicks

am

Eine Mix-Compilation – und besonders eine DJ Kicks – kann im Grunde auf zwei Arten funktionieren. Einerseits kann sie ein typisches DJ Set des zusammenstellenden Künstlers auf CD bannen, zum anderen kann sie den Charakter eines Mixtapes haben, welches speziell für einen guten Freund – uns Hörer – gemacht wurde. Während Kode 9 für seine DJ Kicks Mitte des Jahres den ersten Weg wählte und auch Modeselektors „Modeselektion Vol. 01“ im Grunde dieser Idee folgt, möchte Sascha Ring alias Apparat ganz offenbar uns einfach nur gute Musik nahe bringen.

Als derartiges Mixtape findet sich natürlich einiges, was der interessierte Hörer vermutlich bereits besitzt: Thom Yorkes „Harrowdown Hill“, Pantha Du Princes „Welt Am Draht“, Burial und Four Tets „Moth“. Aber man muss den Leuten ja ein bisschen was zum Festhalten geben. Diese drei Stücke geben beim Blick auf die Tracklist – zusammen mit dem Wissen um Rings eigenes Schaffen – einen guten Eindruck vom Rahmen der Apparat’schen DJ Kicks. Zwischen progressiver Electronica, der vielschichtigsten Seite von Techno, Dubstep und einem gewissen, leicht psychedelischen Grundton lädt Ring auf eine Reise ein, die wie im Flug vergeht. Es gibt das Konzept einer Mix-Kassette für die perfekte Autofahrt bei Nacht. Diese DJ Kicks kommt der Perfektion schon ziemlich nah.

Ring lässt Beats und Melodien in einem kontinuierlichen Guss ineinander fließen, verschränkt die zwei Dutzend Stücke zu einem einzigen großen Ganzen, das die Summe der Einzelteile weit übersteigt. Sanft treibend und in einem vollkommen harmonischen Fluss vergehen diese 68 Minuten wie im Flug. Nahezu verschlägt diese DJ Kicks den Atem in der Art, wie es ein Naturschauspiel tut, die Victoriafälle zum Beispiel. Apparats Compilation besitzt gleichzeitig die beruhigende Wirkung von Meeresrauschen, die Intensität eines Thrillers und die antreibende, körperliche Direktheit einer Clubnacht.

Es ist überflüssig, hier einzelne Stücke, einzelne Künstler herauszuheben, denn ihren Charakter erhält die Zusammenstellung durch die Auswahl und den Mix und somit durch den, der auswählt und mixt. Sascha Ring ist es, der ausgehend von seinen eigenen „Circles“ zunächst 69 und Telefon Tel Aviv ausführlich zum Zuge kommen lässt, um dann in rascher Folge und für den Hörer im Grunde unmerklich Luke Abott, Oval, Patrice Bäuml, Oval, Martyn, Ripperton und Cosmin TRG miteinander zu verbinden, um die Born Ruffians zu erreichen. Er ist es, der zwischen Pantha Du Prince, Burial & Four Tet, Ramadanman, Thom Yorke und Joy Orbison Platz findet für Phon.O, Spherix, T++ und Vincent Markowski. Ring lokalisiert in den Stücken die entscheidenden Motive, die Verknüpfungspunkte und lässt so immer wieder sowohl längst verstrichene Momente nachklingen und wiederaufleben und noch ferne vorausahnen. Manch eine DJ Kicks besitzt im Grunde nur im Jahr ihres Erscheinens Bedeutung, andere werden zu Klassikern, dritte wiederum zu ewigen Lieblingen. Kruder und Dorfmeisters gehört zu den Klassikern, Terranovas zu den Lieblingen; Apparats gesellt sich mindestens zu letzteren, vielleicht aber sogar zu den Klassikern.

Advertisements