Scuba – Triangulation

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War 2010 eigentlich ein gutes Jahr für elektronische Musik? Gab es Überalben aus Dubstep, aus Techno, aus Rave? Caribou und Pantha Du Prince werden wohl – zurecht oder auch nicht – von den meisten als zentrale Alben des Jahres angeführt werden. Am spannendsten ist aber dies Jahr sicherlich – weiterhin und insbesondere – zu beobachten, wie das Wechselspiel, die Kollision von Dubstep mit Minimal Techno weitergegangen ist. Während Modeselektors „Modeselektion“, Apparats „DJ Kicks“ und Alben von Shed oder Marcel Dettmann hier durchaus Aufschluss geben, gehört sicherlich Scubas „Triangulation“ zu den Höhepunkten dieser Wechselwirkung.

Das Album zieht vom ersten Moment des eröffnenden „Descent“ an in seinen Bann. Paul Rose aka Scuba oder SCB nimmt das Aufeinanderprallen von Berlin und London – um die Genres Techno und Dubstep auf je ein Zentrum zu vereinfachen – und fächert daraus ein melancholisch tanzbares, ein sowohl melodisches wie Bass-lastiges Meisterwerk auf. Nach der Eröffnung zeigt er mit „Latch“ zunächst Dubstep von seiner beeindruckenden, emotional berührenden Seite, bevor „Three Sided Shape“ gebremst grüblerischen Drum’n’Bass bietet. Das gleiche Genre weniger schwermütig, sondern aufputschend bestimmt „You Got Me“.

Der – gebrochene – Beat in all seiner Macht übernimmt in „Minerals“ das Ruder und treibt den Puls in seiner nervösen Aggressivität in höchste Höhen. Angriffslustig gibt sich Scuba auch mit dem energischen „Tracers“. Beruhigung dagegen bietet „Before“, das als Muster gelten sollte für die Möglichkeiten, die sich aus dem Treffen von Minimal und UK-Garage-Abkömmlingen, aus kalter Industrie-Atmosphäre und warmen Soul-Verwandtschaften eröffnen. Nicht ganz so grandios ist das ähnlich gelagerte „So You Think You’re Special“.

Die erstaunliche Qualität von Scubas „Triangulation“ bzw. von Paul Roses Produktionstalent offenbart sich vielleicht darin, dass selbst ein – vom Grundgerüst her – einfacher Electro-Track namens „On Deck“ sich nicht nur harmonisch ins Album einbindet, sondern sogar einen essentiellen Bestandteil bildet. Am besten ist „Triangulation“ jedoch sicherlich in den Momenten – und sie sind glücklicherweise zahlreich –, in denen der Beat, in minimaler oder gebrochener Weise, egal wie offensiv er sein mag, diese einzigartige Melancholie und Emotionalität transportiert.

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