Pawel – Pawel

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Vielleicht täuscht die Wahrnehmung, doch vom ersten Takt auf Pawels selbstbetiteltem (nennen wir es mal Debüt-)Album an ist Pawels aka Paul Komineks dritte Persönlichkeit Turner mit im Boot. Das heißt, die Stimmung, die auch Komineks Veröffentlichung als Turner auszeichnet, findet sich ebenfalls in den Stücken auf „Pawel“.

Kominek präsentiert hier einen überaus warmen Houseklang, der zwar irgendwie ur-europäisch erscheint, aber einen gewissen tropischen, süd-amerikanischen Flair mitbringt. Obwohl musikalisch kaum eine weitere Entfernung möglich ist und auch die Beats in keiner Weise eine Verwandtschaft implizieren, drängt sich immer wieder ein Gefühl des brasilianischen Jazz und des Bossa auf. „Pawel“ bringt eine luxuriöse Weitläufigkeit mit sich, die den hüpfenden und akzentuierten perkussiven Beats innewohnt.

Es vergeht fast eine Viertelstunde des harmonischen Wohlgefühls, bevor das Album in „Dawn“ so richtig Fahrt aufnimmt. Was als Kritikpunkt gewertet werden könnte, ist tatsächlicher das Gegenteil, so verzaubert lauscht man vom ersten Ton an der aufbauenden, der tanzbaren Melancholie. Selbst wenn Pawel den Hörer fast hektisch durch die Gegend scheucht wie in „Coke“, verlieren seine Stücke nie das heimelige, lauschige Gefühl. Dieses Album ist wie die persönliche, unpeinliche Postkartenidylle, nach der man sich sehnt. In die Einfachheit der Arrangements, die minimalen, aber ungemein effektiven Inszenierungen lässt sich einfach hineinfallen. Komineks Gefühl für den perfekten Pop kennen wir von seinen Turner-Platten, hier nun verbindet er es mit seinem Talent für tanzbare Beats und schafft ein Album, das die Augen leuchten lässt und den Körper in dauernder Bewegung hält. Ganz subtil ereignet sich in der Mitte des Albums ein stilistischer Wandel. Im Grunde mit „Muscles“ wird die Atmosphäre noch einmal tiefer. Als sei Kominek sich unserer Hingabe nun vollkommen sicher, fügt er bei gleichbleibender Leichtigkeit eine Portion Düsternis hinzu. Diese Dunkelheit findet ihren Höhepunkt im epischen „Kramnik“. Das ist wiederum auch das Stück, bei dem Pawels Zugehörigkeit zum Dial-Kosmos am deutlichsten hervortritt, da es dem Schaffen eines Pantha Du Prince doch deutlich ähnelt. Die durchgängige stilistische Erweiterung endet erst mit dem abschließenden „Wasting My Time“, bei dem Kominek ganz bewusst den Anschluss zu seinem Schaffen als Turner sucht, indem er es im Grunde wie einen Remix eines Turner-Stücks gestaltet.

Pawels „Debüt“ ist eine ungemein belohnende, beglückende House-Expedition. In harmonischem Wohlklang wird eine mitreißende Houseplatte entwickelt, die vielleicht keine spektakulären Effekte oder Neuerungen aufweist, doch dafür einfach nur gut ist.

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