Janelle Monáe – The ArchAndroid

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Konzeptalben im Soul und R’n’B haben in den letzten Jahren Hochkonjunktur: Erykah Badu, Outkast oder Kanye West, um nur drei Beispiele zu nennen. Janelle Monáe reihte sich bereits mit ihrer 2007er EP „Metropolis: Suite I (The Chase)“ in diese Tradition ein und veröffentlicht 2010 nun die Fortsetzung dieser Reihe. „The ArchAndroid“ vereint die Suiten zwei und drei der Geschichte um die Befreiung der Androiden von Metropolis durch einen messianischen Erz-Androiden.

Während die Ouvertüren zu beiden Teilen des Albums ganz klar die Originalmusik zu Fritz Langs „Metropolis“ zitieren, präsentiert Monáe im Rest des Albums eine begeisternde Mischung aus klassischem wie neuem Soul, Funk und Pop, aber auch Swing. Wie bei Konzeptalben üblich, fällt es leicht, das Konzept, die Geschichte zu ignorieren und sich ganz von der Musik gefangen zu nehmen. Die ersten zehn Minuten, die der Einleitung zu Suite II folgen, fegen wie ein Soul-Sturm voller Wohlklang und Harmonie über den Hörer hinweg. Erst „Sir Greendown“ nimmt das Tempo heraus, lässt Luft holen, aber nur, um zwei der größten Hits des Albums „Cold War“ und „Tightrope“ Platz zu machen, die erneut den Atem rauben. Als dritter Hit gesellt sich später „Make The Bus“ mit Unterstützung von Of Montreal hinzu. Vor allem „Cold War“ erstaunt mit der Einbindung psychedelisch-esoterischer Rock-Elemente, die so zuletzt vermutlich auf Kula Shakers Debüt in dieser Klasse zu hören waren. „Tightrope“ wiederum ist vielleicht der funkigste Soulhit seit Outkasts „Hey Yah!“, wobei erstaunlicherweise nicht André 3000, sondern Big Boi daran mitwirkt. Wie aber sein Vorgänger im Geiste, besitzt auch „Tightrope“ einen gehörigen Nervfaktor, der jedoch seine Qualität nicht zu mindern vermag. Ähnlich swingend und den Soul in seinen Grenzen erweiternd folgt „Come Alive (War Of The Roses)“. Auch „Mushrooms & Roses“ nimmt in seiner Einbindung klassischer Rockelemente eine besondere Position ein. Den zeitgenössischen Electropop bringt Monáe mit „Wondaland“ aufs Album, ohne ihn natürlich einfach zu übernehmen. Die zweite Albumhälfte – Suite III – erklingt insgesamt zurückgenommener, träumerischer und in gewisser Weise auch konventioneller als die erste. Als solches beinhaltet sie jedoch auch mit „57821“ und „Say You’ll Go“ zwei außerordentlich bezaubernde Soul-R’n’B-Nummern, die zum Schwelgen einladen.

Alles in allem überzeugt „The ArchAndroid“ insbesondere in seiner doppelten Form als akustisches Prisma wie auch als musikalisches Brennglas. Einerseits schaffen Janelle Monáe und ihre Produzenten es, das Genre des Soul in seine einzelnen Spektrallinien aufzuspalten, andererseits vermögen sie es aber eben auch, all diese Einzelteile – und viele weitere – zu vereinen und zu einem scharfen Bild zu vereinen, das eine ungemeine Kraft besitzt und den Hörer voller neuer brennender Energie zurücklässt.

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