Glasser – Ring

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Wie kann Musik gleichzeitig wahnsinnig intim sein und gleichzeitige eine symphonische, bombastische Fülle ausstrahlen? Diese Frage wird unbeantwortet bleiben, aber Cameron Mesirow alias Glasser schafft auf ihrem Album „Ring“ genau dies. Vielschichtig und mit einer ungemeinen Klangfülle präsentiert sie sich und ihre zarte, fast zerbrechliche Musik in einer innigen, persönlichen Weise, die nicht nur aufgrund ihrer Stimme, sondern auch in den Arrangements einen himmlischen, engelschorgleichen Charakter besitzt.

Glassers Musik erinnert immer wieder an Bishi oder Bat For Lashes, was vor allem von einer Klangkulisse herrührt, die, ohne ihn wirklich zu besitzen, immer einen orientalischen, asiatisch-arabischen Charakter verbreitet. Dieser Rahmen kleidet die Stücke, die zwar eigentlich eher träge dahin schreiten, aber dennoch mitreißen. Holzbläser, Perkussion und digitale Klangerzeuger gehen eine organische Verbindung ein und schaffen einen Raum, in dem man sich wohlfühlen und verlieren lassen kann.

Intimität und Bombast bilden einen der Gegensätze, die „Ring“ charakterisieren. Ein anderer ist das Nebeneinander der Gefühlszustände Kälte und Wärme. Der ätherische Charakter der Stücke erzeugt zum einen dies Gefühl des Heimisch-Fühlens, der Sicherheit und Geborgenheit, der Wärme eben, zum anderen sind Mesirows Gesang und ebenfalls die Instrumentierung von einer impliziten Kälte und abweisenden Losgelöstheit. Erneut stellt sich die Frage, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann? Einen gewissen Anteil an der Synthese hat, dass wechselweise Gesang und Instrumentierung den Charakter des Einladenden haben und der jeweils andere Teil eine gewisse Unterkühlung transportiert. Vielleicht ließe es sich als musikalisches Äquivalent einer schüchternen Freundlichkeit bezeichnen.

Zu den Höhepunkten des Albums zählt sicherlich das – zugleich in der Intensität seiner Beats und seiner treibenden Kraft untypische – „Mirrorage“. Allerdings erscheint es fast unangebracht, hier einzelne Stücke aus dem geschlossenen Charakter herauszuheben. Andererseits mag dem ein oder anderen die Wohlgefälligkeit der Arrangements und die Einbindung asiatisch-orientalischer Elemente zu kitschig und zu kalorienbelastet zuckersüß erscheinen. „Treasure Of We“ ist eines der Stücke, die besonders diesen Eindruck erwecken könnten – wobei sich dann, übertrieben formuliert, fragen ließe, ob jemand, der „Treasure Of We“ nicht mag, ein Herz besitzt?

Zum Schluss lässt sich noch ein drittes Gegensatzpaar zur Beschreibung von Glassers „Ring“ heranziehen: Cameron Mesirow und ihre Produzenten schaffen Stücke einer außergewöhnlichen Vielschichtigkeit und voller vielfältiger Ideen und dennoch erscheinen alle in einer Art harmonisch und gleichklingend, dass fast von einer monotonen Atmosphäre geschrieben werden könnte. Aber auch das ändert nichts an der bezaubernden, beglückenden Qualität des Albums.

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