Gil Scott-Heron – I’m New Here

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Nach sechzehn Jahren das erste eigene Album. Gil Scott-Heron meldete sich 2010 zurück und trat damit vermutlich bei manch einem zum ersten Mal ins Blickfeld. „I’m New Here“ gelingt dabei als außergewöhnliches Album, das Scott-Heron zwischen Spoken-Word, Soul und Blues präsentiert und musikalisch ebenfalls zwischen diesen drei Polen wandelt. Dabei wird Spoken-Word durch eine zwischen Trip-Hop, minimaler Electronic und Dubstep changierende Untermalung vertreten.

Wie schon – zum Beispiel – bei der Kooperation Ursula Ruckers mit 4hero ist dieses Spannungsfeld aus sanfterem Bristol-Sound und Spoken-Word-Performance eine kongeniale Kombination und verbindet sich ebenso natürlich mit den traditionellen afro-amerikanischen Stilen Blues und Soul. Scott-Heron widmet sich im Jahr 2010 weniger dem Agitprop und dem Schaffen politischen Bewusstseins als der Reflektion des eigenen Seins – wobei hier natürlich eine zeitgeschichtliche und gegenwarts-soziologische Komponente mitschwingt, will der Hörer sie denn wahrnehmen. Vor allem aber ist „I’m New Here“ ein stiller Zwischenruf oder ein Raum der Stille im hektischen Hier und Jetzt. In der minimalistischen und vor allem sanften und beruhigenden Atmosphäre des Albums fällt es leicht, inne zu halten und einfach einmal kurz Atem zu holen. Im Zentrum der Arrangements steht immer Scott-Herons Vorstellung, sein Sprechgesang, der von XL-Recordings Labelchef Richard Russell perfekt in Szene gesetzt wird. Selten übernimmt die musikalische Inszenierung das Kommando, wenn sie es aber tut, ist es zwingend. Meist aber verweilt sie im Hintergrund. Dringt man bis zu ihr durch, vervielfacht sich die Dimension der Stücke.

Besonders beeindruckt auf „I’m New Here“ das dub-steppige „Me & The Devil“, das gleich zu Beginn in seinen Bann zieht. Hinzu gesellen sich der Folk des Titelstücks, das düster pulsierende „Your Soul And Mine“ und der Bar-Blues „I’ll Take Care Of You“. Ebenfalls erwähnt werden muss „New York Is Killing Me“ in seiner Verbindung aus Rhythm’n’Blues und dunkel pulsierender Electronica. So gelingt das Album als kleine, unauffällige Perle, die sicher die ein oder andere Unreinheit aufweist, die aber vor allem bewundernswert ist.

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