Duffy – Endlessly

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Duffys Album „Rockferry“ gehört durchaus zu den Konsens-Alben, die verschiedenste Geschmäcker zusammenführen. Umso erschreckender kam – zumindest für diesen Hörer – der Live-Auftritt beim Hurricane-Festival 2008. Plötzlich war Duffys Gesang nicht mehr eigenwillig nasal quäkend, sondern nur noch schräg und nervtötend. Die Vorabsingle „Well, Well, Well“ zum Nachfolgealbum „Endlessly“, um das es hier geht, schien dies zu bestätigen, zumindest in Verbindung mit Video und schlechten Fernsehboxen.

Erstaunlicherweise ist das Album aber wirklich gut. Wahrscheinlich sollte das nicht verwundern, immerhin schrieb und produzierte Duffy die Songs zusammen mit Albert Hammond und bei der Produktion von knapp der Hälfte der Stücke wurden beide von Stuart Price unterstützt. Wenn zudem The Roots als Rhythmussektion mit von der Partie sind, lässt sich fast von einem Dreamteam schreiben.

Tatsächlich sticht hier wieder das Eigenwillige, seltsam Schöne von Duffys Gesang hervor, und der präsentierte Soulpop, das positiv Kitschige, Schmusesoulige bezaubert ohne Peinlichkeit. Selbst die Single stört hier nicht, sondern fügt sich harmonisch in den Albumkontext ein. Die gute halbe Stunde „Endlessly“ vergeht wie im Flug und die Qualität der Musik verleitet zur Nutzung der Full-Repeat-Funktion. Von „My Boy“ über „Keeping My Baby“ und „Don’t Forsake Me“ bis „Girl“ findet sich kein einzig schwacher Song auf Duffys zweitem Album. Hammond, Price und Duffy machen es einem wirklich schwer, aus diesen zwar seichten aber wahnsinnig schönen Songs einzelne hervorzuheben. Zu gleichbleibend ist die Qualität der Stücke. Sie sind nicht einfach nur gefällig oder hübsch, sondern sogar richtig gut. Natürlich lässt sich – wie auch bei all den anderen Retro-Soul-Pop-Alben – bemängeln, das sei alles nicht neu und teilweise sogar dreist geklaut, das kopiere den klassischen Klang – hier sogar bis zum Knistern einer Plattenspielernadel in „Endlessly“ –, aber das ist tatsächlich egal, so gelungen wird dies hier umgesetzt, so fast umwerfend und bezaubernd erklingt hier ein uralter Sound im Hier und Jetzt. Zwar ist das erneut durchaus weichgespülter als bei anderen britischen Retro-Soul-Künstlerinnen, aber das stört nicht.

Während Albert Hammonds Songwriting durchgängig erkennbar ist, tragen „Keeping My Baby“ und insbesondere „Lovestruck“ ganz offensichtlich Stuart Prices Handschrift. Ersterer setzte den Tanzflächen-tauglichen Beat noch relativ dezent ein, doch „Lovestruck“ wird bestimmt von Tanzbarkeit und von einer subtilen Vielschichtigkeit der Produktion.

Es muss zugegeben werden, dass der Rezensent durchaus mit großen Vorurteilen an Duffys „Endlessly“ herangegangen ist. Das erwähnte Dreamteam wischt diese zwar nicht sofort, aber doch äußerst effektiv weg. So lässt sich völlig ohne Schuldgefühle in der kitschigen Wohlgefälligkeit des Duffy’schen Soft-Soul-Pop schwelgen.

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