Deadmau5 – 4×4=12

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Mag Deadmau5 auch als Linkin Park des Electro-Geschäfts gelten, war sein letztes Album „For Lack Of A Better Name“ doch eine durchaus lohnende Partyreise. Insofern erreichte es das eine Ziel, das der Künstler sich vermutlich selbst gesteckt hatte, in außerordentlichem Maße. Dieses Ziel war ganz eindeutig die größtmögliche Ekstase und in diese versetzte „For Lack“ die Partymeute mit ziemlicher Sicherheit. Irgendjemand mäkelt ja immer.

Die Intention auf „4×4=12“ ist vermutlich die gleiche – auch wenn Joel Zimmermans neues Album insgesamt etwas zurückgelehnter daherzukommen scheint –, allerdings wird es diesmal nicht erreicht. Natürlich nutzt Deadmau5 die Mittel seiner Zunft – seiner Software – geschickt, selbstverständlich versteht er es, Spannung aufzubauen, Akzente zu setzen und die Stimmung explodieren zu lassen. Aber – und dies ist ein eher großes „Aber“ – es klingt vieles, als sei es mit der heißen Nadel gestrickt, als solle das Momentum, das seine Karriere gerade besitzt, möglichst effektiv ausgereizt werden. Das führt zu oder findet seinen Ausdruck in Tracks, die von ihrer Inszenierung und den eingesetzten Mitteln und Effekten her nicht nur nichts Innovatives bieten, sondern geradezu altbacken klingen.

Bestes Beispiel ist gleich die Eröffnung des Albums namens „Some Chords“, die zwar alle Mittel der abgeh-orientierten Electronica aufbietet, aber am Ende doch absolut unspektakulär an einem vorbeigleitet und sogar langweilt. Es ist kaum zu sagen, was jetzt falsch gemacht wurde, aber es wird vor allem nichts richtig durchgedacht und -gezogen. Ähnlich lässt sich über den technoiden Michael-Woods-Remix von „I Said“ urteilen. Monoton stampfend und etwas langatmig breitet sich in der Mitte des Albums „Cthulhu Sleeps“ aus. Obwohl im Grunde gelungen, ist es auch der Inbegriff des anfänglich angemerkten Mangels an Kreativität.

Ganz anders „A City In Florida“. Extrem einfach gestrickt pumpt der Beat hier aus den Kopfhörern oder Boxen, treibt den Hörer an und lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Wie Nadelstiche penetriert einen die Kickdrum und der Rave-Bass tritt einem in den A… äh Hintern. Da ist das Album allerdings auch schon etwas älter. Aber der Track versetzt zumindest in die richtige Stimmung, um Gefallen zu finden an Deadmau5s Versuch, simplen Rave mit Garage und Matias Aguayo’schen „Ay Ay Ay“-Momenten zu verbinden. Das kann eigentlich nur schief gehen – und so positiv der Eindruck von „Bad Selection“ auch ist, bleibt ein übler Nachgeschmack.

Der Nachgeschmack verstärkt sich zur realen Übelkeit in „Right This Second“, dessen Rave-Orgel und Rave-Chorus eigentlich heutzutage verboten gehören – zumindest, wenn sie so billig wie hier eingesetzt werden. Auch der nachfolgend einsetzende Beat hat so gar nichts Interessantes an sich; schieben wir den Track einfach mal dem 90er-Eurodancetrash-Revival in die Schuhe. Einer ähnlichen Schublade entsteigen Arrangement und Instrumentierung von „Raise Your Weapon“, das sich aber dank Greta Svabo Bechs Gesang (ihres Zeichens Sängerin von Picture Book) zu einem der Albumhighlights entwickelt. Nichtsdestotrotz ist dies ein Höhepunkt auf niedrigem Niveau, insbesondere, da die Atmosphäre der ersten Hälfte des Tracks die nachfolgenden, nicht vollkommen nachvollziehbaren Beatausbrüche nicht überlebt. Überhaupt scheint Deadmau5s Rezept auf „4×4=12“ zu sein, die Tracks genau nach der Hälfte stilistisch kippen zu lassen. Was als Stilmittel durchaus funktionieren kann, wirkt in der Regelmäßigkeit, in der es hier genutzt wird, nur seltsam.

Der ansteigenden Popularität mag geschuldet sein, dass Deadmau5 neben seiner geraden, technoiden Electronica auch Gefilde der Crossover-Electronica aufsucht, die ehemals Big Beat hießen und heute im Zweifel im Ghettotech mit Unterschlupf finden – die ermüdenden Auftritte von Sofi in „Sofi Needs A Ladder“ und „One Trick Pony“. Auch der müde Daft-Punk-Abklatsch „Animal Rights“ verdient eigentlich kaum eine Erwähnung – aber er funktioniert immerhin im Rahmen der Aufgabenstellung. Vielleicht hätte sich Deadmau5 nach seinem erschöpfungsbedingtem Zusammenbruch Ende Juli mehr Ruhe gönnen sollen, möglicherweise wäre das Album dann nicht ganz so einfallslos geworden.

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