Aufgang – Aufgang

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Zwei Pianisten und ein Schlagzeuger machen … ja, was eigentlich? Inspiriert von elektronischer Musik und der eigenen klassischen Ausbildung – die beiden Pianisten Francesco Tristano und Rami Khalifé – schaffen sie Musik, die irgendwo zwischen Techno, Rave, Klassik, Lounge, Postrock und Ambient pendelt. Im Grunde entscheiden Tristano, Khalifé und Schlagzeuger Aymeric Westrich sich nie wirklich, was sie wollen, und vielleicht ist dies ein tatsächlicher Mangel des selbstbetitelten Album-Debüts, aber sie präsentieren diese latent krude Mischung in einer solchen Entschiedenheit, einem solchen Verve, dass kaum etwas anderes übrigbleibt, als sich fallen zu lassen und zu genießen. Vermutlich ist dies – als Studioaufnahme – wirklich weniger Musik für Electronica- und Techno-Enthusiasten als für Pophörer, denen nebenbei noch Chillout, Filmmusik und neue Klassik Marke Klassikradio zusagt. Das ganz eigene der Aufgang-Musik ist das Zusammenspiel von Schlagzeug, elektronischen Beats und dem Klavier, das – und das kann nicht häufig genug gesagt werden – für Francesco Tristano eben auch eine Maschine im Sinne eines Drumcomputers ist oder zumindest sein kann. Diese seine Überzeugung kommt auf dem Album besonders in „Soumission“ zum Tragen.

Das Zusammenwirken dieser drei Stilmittel und das Hin und Her zwischen musikalischen Stilrichtungen geben dem Album seine Spannung und sein Faszinosum. Den größten Massenappeal haben sicher Stücke wie „Sonar“, das vom relativ seichten Wechselspiel aus geradem Beat und Klavier hinüberwechselt zur aggressiven Club- und Festival-Hymne, das heißt, zu jener Art von Electro, die selbst eingefleischte Electro-Hasser zum Mitgehen bringt. Den besonderen persönlichen Reiz gewinnt „Aufgang“ aber eher durch Stücke, in denen verspielt-frickelige Electronica mit – bösartig seicht zu nennendem – harmonischem, jedoch rhythmisch akzentuiertem Klavierspiel einhergeht wie zum Beispiel in „Good Generation“. Auch wenn Klavier und Beat in einem jazzigen oder glitchigem Kontext aufeinandertreffen („3 Vitesses“, „Channel 8“), begeistert das Album ungemein. Der poppige Hit – im Sinne der oben angeführten potentiellen Zielgruppe – ist aber sicherlich die Albumeröffnung „Channel 7“. Alles in allem ist Aufgangs selbstbetiteltes Album sowohl schön wie auch lohnend, wobei ein Kitschvorwurf kaum zu entkräften ist, ebenso wie die Anmerkung, es sei doch irgendwie schon recht billig. Man kann sie nur ignorieren.

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