Von Spar – Foreigner

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Eine der erfreulichen Überraschungen dieses Jahres trägt den Namen Foreigner. Und es ist nicht die Tour der gleichnamigen Band gemeint. Vielmehr betiteln Von Spar solchermaßen ihr nunmehr drittes Album, das – passenderweise – auf Italic erscheint. Mit einem tiefen Verständnis für die poppigen und Club-orientierten Möglichkeiten von Krautrock und früher deutscher Electronica präsentieren die vier Musiker ein ausgesprochen tiefes und begeisterndes Album. Sie verbinden psychedelische Klanglandschaften mit treibender Rhythmik und schaffen derart ein Meisterwerk. Ebenso Düsseldorf 1977 wie New York 2006 wie überall und immer zieht „Foreigner“ den Hörer in seinen Bann, reißt mit, lässt wohlfühlen und erzeugt gleichzeitig eine ungemeine Spannung. Die Stücke überzeugen in (nahezu) perfekter Inszenierung. Jeder Ton, jeder Akzent, jeder Vokaleinsatz ist und erscheint nicht nur spannend, sondern vor allem zwingend. Überflüssiges ist ebenso wenig zu finden wie ein Mangel ausgemacht werden kann. Es mag sein, dass auf der Gesamtlänge des Albums der Reiz nicht durchgängig aufrecht erhalten werden kann, doch dies beschränkt den Genuss und die Stärke des Albums kaum.

Sei es der Ohrwurm „TrOOps“, der zwischen Club und Kraut-Electronica für die Couch monoton stampfend ein absoluter Hit ist, sei es das zarte, vor sich hin pulsierende „Scotch & Chablis“, Von Spar erzeugen umstandslos Stimmungen, verführen, sich ihrer Musik vollkommen hinzugeben. Allein die fiebrig flirrende, hypnotische, außerirdische Sphäre von „I Can’t Stand The Grain“ zieht sich ein wenig zäh dahin. Dies kompensieren die ähnliche Stimmungen verbreitenden „Collecting Natural Antimatter“ und „HyBoLT“ (in der Albumversion) um so mehr, wenn sie im Kopf des Hörers Space Odysseys erzeugen und diese in delirierendem Treiben aufgehen lassen („Collecting Natural Antimatter“) oder die letzten Echos einer Sternenexplosion aufgreifen („HyBoLT“). Die rauschhafte Intensität dieser synthetischen Kraut-Space-Electronica-Stücke ist absolut kaum erfassbar und steigert sich sogar noch hin zum abschließenden „Daddy Longlegs“ mit angetäuschtem Glockenspiel und ekstatisch pumpenden Bässen. Während die meisten Stücke auf „Foreigner“ in ihrer Albumform eher für die Couch oder die gepflegte sommerliche – um nicht balearisch zu schreiben – After Hour produziert sind, führt „Daddy“ ohne große Umwege auf die Tanzfläche und zur körperlichen Verausgabung und glücksbringenden Abzehrung. Ähnlich direkt und begeisternd ergeht es dem Hörer auch bei „You Can Shake Down On My Settee Tonight“.

Wo schon zum Song „TrOOps“ in der Single-Version nur zu sagen blieb, er sei größer, als es einer Band zustehe, er sei in Arrangement und Intensität einfach nur perfekt, bleibt das Urteil bei den meisten weiteren Albumtracks wie auch beim Album als Ganzem gleich – mit der oben angeführten Einschränkung, die Reize verlören sich auf Albumlänge ein wenig. Anders formuliert: Von Spars „Foreigner“ ist ein Glücksfall und ein Glücksbringer, ein beglückender musikalischer Hormonschub.

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