Shed – The Traveller

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Elektronische Musik im Albumformat folgt in der Regel einer von drei möglichen Inszenierungen. Das Konzeptalbum versucht – wie auch in anderen Genres – eine mehr oder weniger schlüssige Geschichte sinnvoll zu vertonen und die Partyplatte reiht zwei potentielle Hymnen der Nacht an drei andere, am besten gelingen jedoch zumeist jene Langspielplatten, die in erster Linie auf die Stimmung setzen, die ihr Genre in Tracks repräsentieren, die emotional ansprechen – wobei die Gefühle vielseitig sein können –, zudem musikalisch kreativ und innovativ in Szene gesetzt sind und vor allem einen homogenen harmonischen Fluss erzeugen, der das Album durchgängig zu einem Genuss macht, sei es nun über dreißig oder achtzig Minuten. Natürlich misslingen solche Versuche ebenso häufig oder noch häufiger, als dass sie überzeugen.

Sheds „The Traveller“ gehört sicherlich zu den gelungenen Entwürfen dieser melancholischen, aber ebenso potentiell aufwühlenden Alben. Zwischen Techno und Dubstep entwirft Shed ein durchaus ganz eigenes Bild elektronischer Musik. Nichtsdestotrotz hält sich auch nach wiederholtem Hören der Eindruck: je ambienter, je mehr auf die Atmosphäre konzentriert die Stücke sind, desto weniger überzeugen sie. Ein kräftiger Beat – egal ob gerade oder gebrochen – wiederum verleiht den Stücken dafür eine ganz eigene Qualität. So schafft „Keep Time“ gleich zu Beginn vollkommene Aufmerksamkeit und lässt einen begeistert den Beat-Kaskaden und den dumpfen Bässen lauschen, und auch das träge, verstörend dahin stolpernde „The Bot“ fesselt bedingungslos. „My R-Class“ wiederum könnte mit einer der Tracks des Jahres 2010 sein, so erschlägt einen die Mischung aus hektischem Oszillatorenflimmern und polternd dumpfen Bassstampfen. Ebenso begeistert hinterlässt einen „Hello Bleep!“, dominiert von hektischen digitalen Drumeffekten und unterlegt von einer simplen, sphärischen Orgelfläche.

Neben diesen herausragenden Stücken findet sich einiges nur phasenweise Überzeugendes. Vielfach nutzt Shed ein einfaches Vorgehen, das nicht zwangsweise zielführend erscheint. Die Stücke beginnen ambient, sphärisch und zu diesen flächigen Arrangements gesellen sich dann Beat- und Bass-Konstrukte, die jedoch nicht vollkommen mitreißen. Nichtsdestotrotz ist dies ein wirklich gutes Album, denn schlecht ist hier nichts und die außerordentlichen Momente trösten mehr als hinweg über alles, was kritisiert werden könnte.

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