Klangwart – Sommer

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Staubgold-Chef Markus Detmer veröffentlicht dieser Tage nicht nur den dritten Teil der „Plays Staubgold“-Compilation-Reihe, sondern zudem auch eine Zusammenschau aus 14 Jahren Klangwart, dem Projekt, das er zusammen mit Timo Reuber bildet. Passend zur Jahreszeit benennen die beiden die Platte „Sommer“, was zudem dem hitzeflimmernden Charakter der Stücke und den von ihnen erzeugten akustischen Luftspiegelungen Rechnung trägt.

Diese Beschreibung trifft insbesondere zu auf das eröffnende „Hitzefrei“, das in Zusammenarbeit mit Philippe Petit entstand. Die Albuminformation schreibt davon, es gehe hier „mit gespanntem Groove ins Unbekannte“, doch ist dies wohl eher eine Untertreibung. Die aufgebaute Spannung, die Intensität der nervenaufreibenden Klangkulisse ist mit solch einer harmlosen Beschreibung kaum gefasst. Vielmehr fühlt der Hörer sich tief in einem auditiven Psychothriller, dessen Ende nur böse sein kann.

Ein klein wenig luftiger und doch andererseits noch anstrengender für die Sinne, weil deutlich komplexer arrangiert, gibt sich „Schnappschuss“. R2D2 trifft auf Rasenmäher, Radiowellen und die Stadt im Berufsverkehr. Letztere übernimmt in „Moloch“ das Kommando. Klangwart scheinen es darauf anzulegen, Sinne und Nerven der Hörer zu strapazieren und dabei immer hörbar zu bleiben, das heißt, auf fast absurde Art und Weise harmonisch und wohlklingend. Pulsierend und treibend, aufmerksamkeitsheischend und faszinierend. Man könnte erwarten, dass zumindest in „Wartehalle“ Ruhe einkehrt, doch Field-Recordings und Synthesizer überlagern sich, ihr Schall interferiert: Stille und Erholung lassen Klangwart und Christof Kugel hier zu allerletzt zu. Allerdings scheinen sie doch auch zu wissen, dass zu viel Schwer, zu viel akustische Ertüchtigung nicht gut ist.

So entlassen sie den Hörer gen Ende in die leichte Seite des Sommers. „Wellenbad“ heißt diese Erfrischung, die aber natürlich nicht ohne ihre bedrohlichen Momente auskommt. Vollkommene Erholung gibt es erst im „Frühtau“, dessen fast herbstliche Frische jedoch von Klangwart vielleicht etwas überlang ausgebreitet wird, und die abschließende „Amöbenruh“, deren einlullende Monotonie durchaus ihre positiven, beruhigenden Eigenschaften besitzt, muss sich den gleichen Vorwurf machen lassen. Das ändert jedoch nichts daran, dass Klangwarts „Sommer“ eine uneingeschränkt empfehlenswerte, klingende Reise darstellt.

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