High Tone – Outback

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Es ist einfach zu erklären, wieso High Tones „Out Back“ den Hörer vom ersten Ton an mitreißt und begeistert: Eine Mischung aus Dub und Breakbeats, Soundeffekten, dunklen Bässen, fernöstlichen Melodien, nervös flackert die Musik, zieht in ihren Bann, gibt dem Hörer wenig Raum zum Atmen; das Album erschöpft auf eine gute Art. Weniger leicht kann festgestellt werden, weshalb dieser Effekt so schnell in Langeweile umschlägt, denn eigentlich passt hier alles.

Gleich zu Beginn bereitet „Spank“ die düstere Atmosphäre und setzen die Bässe und Beats den Körper erst unter Spannung und dann in Bewegung. Auf dieser eher traditionellen Dub-Grundierung baut „Dirty Urban Beat“ auf mit monoton, maschinell elektrifizierten Beats, die das Tempo weiter anziehen und den Hörer wie ein willenloses Wesen vor sich hertreiben. „Dub What“ erweitert nachfolgend die Genre-Wurzeln. Ein Ansatz, dem auch „Boogie Dub Production“ und „Rub-A-Dub Anthem“ folgen, wobei letzteres einen deutlichen Einfluss des UK-Dancehall der 1980er offenbart. „Fly To The Moon“ dagegen klingt ein wenig, als habe ein durchschnittliches Soundsystem zu viel Herbie Hancock gehört.

Während sich die erste Hälfte des Albums der ‚Dancehall‘ widmet, steht die zweite Hälfte im Zeichen eines Klangs, der sich am UK-Garage neuerer Tage orientiert und dabei viel Wert auf das Schaffen von Klanglandschaften und Atmosphäre legt. Den Übergang markiert „Space Rodeo“, das mit harten Beats und Ben Sharpas ebensolchen Reimen die Latte ziemlich hoch legt. Das Sci-Fi-Motiv greift „Bastard“ musikalisch auf, folgt zwar stilistisch relativ ausgetretenen Pfaden, dreht zum Ende aber überzeugend die Effektmaschine auf. Reduzierter, sich ganz auf die Bässe verlassend gehen High Tone in „Home Way“ zu Werke, wogegen in „Propal“ der Bass weitgehend eine Ruhepause einlegt und eher ein Western-Score entworfen wird.

Zu den Höhepunkten nicht nur der zweiten Albumhälfte gehört sicher „Uncontrolable Flesh“, das mit düsterer Aggressivität auf den Hörer einstürzt; verzerrter Klang und Bass-Donner legen ihm Ketten an. Die Angriffshaltung, die Androhung eines auditiven Kriegs bleibt in „7th Assault“ erhalten. Erst das abschließende „Altered States“ erlaubt Erholung in elektronisch meditativer Klangklarheit. So überzeugend das alles ist, bleibt doch ein zwiespältiges Gefühl zurück. Es ist nicht nur die Tatsache der scheinbar unergründliche Fülle an Ideen, die dieses Album ermüdend gestaltet. Nein, zuletzt offenbart sich vielerorts Redundanz und nicht zu Ende gedachter Produktionsaufwand, die den Hörer zum Gähnen zwingen. „Out Back“ ist ein gutes Album, aber definitiv kein sehr gutes.

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