Sutekh – On Bach

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Um es gleich vorneweg festzuhalten: Johann Sebastian Bach kommt auf Sutekhs (aka Seth Horvitz) neuem Album vor, doch nur weil etwas „On Bach“ heißt, muss JSB nicht das Grundthema sein. Bach war der Ausgangspunkt der Entstehung, findet sich aber im Endprodukt doch nur als loses Band wieder. Das soll keine Kritik sein, nur Warnung.

Erwähntes Band findet sich zum Beispiel in „Bitter Tails“ als – übertrieben formuliert – halber Orgeltakt wieder. Subtil steckt die Bach’sche Orgel in diesem Stück, ist aber im Grunde vollkommen nebensächlich. Den Reiz erhält der Track von der atmosphärischen Dichte, die Sutekh in Aphex Twin’schem Stil durch Störgeräusche und Verzerrung erzeugt. Am offensichtlichsten – und nervtötendsten – kommt der Albumtitel in der Quasi-Acht-Bit-Bachvertonung „The Glorious Day Has Dawned“ zum Tragen. Die Nerven stellen hier tatsächlich sofort den Dienst ein und somit weiß Horvitz damit tatsächlich zu unterhalten. Bach bleibt zumeist hintergründig und gut versteckt. Er ist der „running gag“, der Fehler im Bild, der gesucht werden will. Um ihn entsteht in „The Lips Of The Foolish Way“ die Grundlage für einen potentiellen Clubhit. Ein solcher folgt mit „Repulsion By Slit And Roundabout“ auch im Zentrum des Albums – und JSB tritt hier erst in den letzten hüpfenden Beattakten offen zutage.

„On Bach“ ist ein interessantes, unterhaltsames, bisweilen sogar großartiges Electro-Album. Ein Glanzlicht kommt gleich zu Beginn mit „Let There Be Night“, welches still und eher träge in unser Ohr klickert und tropft, während es von einer sich langsam steigernden Basswelle getragen wird. Daneben aber kann das Album auch sehr anstrengen. Zudem und vor allem sollte man seinen Titel ignorieren oder, wenn man ihn denn wahrnimmt, alsbald vergessen. Was dem Rezensenten offenbar misslingt.

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