Robot Koch – Songs For Trees And Cyborgs

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Wie ein Gong empfängt uns der Bass gleich im allerersten Moment auf Robot Kochs „Songs For Trees And Cyborgs“. Der Funk-Metal-Jazz-Dub-Fanatic Robert „Robot“ Koch macht so gleich im ersten Klang des Albums klar: wir – die Hörer – dürfen eine mitnehmende, eine intensive, atmosphärische Reise ins Land des Bass erwarten.

Ein Land, dessen Städte – wie von Koch gewohnt – ebenso HipHop heißen können wie Triphop – umbenannt in Dubstep – oder UK-Garage; aber auch einfach ambienter Electro ist im Angebot. Während die Stücke in jeder Ecke des Bassversums entspringen, erscheint es hier auf Kochs zweitem Produzenten-Album als folge er bei seinen eigenen Produktionen einem relativ gleichbleibendem Rezept. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Klangwelten von Stück zu Stück deutlich, aber die Dynamik der Tracks ist vielfach ähnlich – eine Kritik, die dem Hörvergnügen keinen Abbruch tut: Koch hat den wackelig modulierten Bass voller Wärme und Pop-Appeal zu einer außergewöhnlichen Kunstfertigkeit erhoben.

Entsprechend lässt sich die Klangvielfalt zusammenfassend verallgemeinern und als düster-dubbiger Electro bezeichnen, der dem TripHop entspringt, aber immer auch als futuristischer HipHop-Beat taugt. Der Charakter als Gerüst für mehr dominiert in „Cloud City (featuring Boxcutter)“ wie auch im ambient-sphärischen – gewollt anachronistischen – „Atari You“, bei dem Kochs (ehemals auch als The Tape aktiv) Partner aus Zeiten von The Tape vs. RQM Vocals beisteuert. Auch das orientalisch verbrämte „Night On Mars“ fällt in diese Kategorie.

Aufs Ambiente fokussiert produziert Koch das Vinyl-Mittelstück „Ideas“ und das abschließende „Summer Snow“. Zur Entspannung geeignet ist auch das mit spanischen Gitarren versehene „Patience“. Sanft und beruhigend und dennoch pumpend und pushend erklingt „Brujeria“. Bereits von der „Listen To Them Fade“-EP bekannt, lebt es wie auch manch einer der Hits auf dem letztjährigen „Death Star Droid“ von Graciela Marias Gesang. Triphoppig intensiv, zärtlich und gleichzeitig aggressiv, neben „Brujeria“ trifft diese Beschreibung auch auf „Verbal Bruises (featuring Portable Morla)“ zu. Der größere Hit von beiden ist aber in der Tat das Grace-Feature. Allerdings fällt es schwer, Höhepunkte des Albums auszumachen, zu qualitativ hochwertig ist das Material durchgehend, zu sehr schmeichelt es das Ohr, fasziniert und nimmt gefangen.

Sei es das dröhnend ekstatische „Powerstrip 66 (featuring Doshy)“, der jazzige Dubstep „Late Introductions“ oder der übersteuerte Bass in „Break The Silence“, Kochs Tracks taugen prinzipiell alle zum Hit. In mancher Hinsicht sind sie vielleicht zu wenig subtil, zeigen zu direkt, was sie zu bieten haben, als das sie den ganz großen Erfolg in der Szene haben werden, zielen aber gleichzeitig zu sehr auf die bassliebende Nische, als dass sie in den Charts auftauchen könnten – die Chart-Beats hebt Koch sich offensichtlich für Marteria auf. Als Fazit bleibt dennoch festzuhalten, dass das Wohlgefallen, welches die Tracks auf „Songs For Trees And Cyborgs“ verströmen, eine außergewöhnliche Kombination musikalischer Tiefe und Pop-Appeal bilden. Im Sinne Hawkings, Ffordes und Pratchetts kann nur vermutet werden, dass in einer parallelen Realität Robot Kochs Status eher der eines – sagen wir – Timbaland ist.

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