Marc Houle – Drift

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War es die letzten Jahre relativ still um Richie Hawtins‘ Minus-Label oder mangelte es hier nur an der nötigen Aufmerksamkeit? Plötzlich steht das Label mit zwei Alben im Fokus. Einerseits wird Magda demnächst „From The Fallen Page“ veröffentlichen, zuvor aber präsentiert Marc Houle „Drift“ – ein Album, das seinem Namen alle Ehre macht. Es treibt so an einem vorbei, fällt selten übermäßig stark auf und entwickelt dennoch einen langfristigen Sog. Houle setzt vollständig auf die Atmosphäre seiner Tracks, eine düstere, isolierte Stimmung, in der dem Hörer nur selten erlaubt wird – z. B. „Hitcher Man“ – sich daraus zu befreien. Die industrielle Dystopie, die Houle musikalisch schildert, lässt er in „Hammering“ von zarter Wärme durchfluten und – in Relation zum Rest des Albums – in bonbonfarbenem Frohsinn enden.

Bedrohlich pochend eröffnet „Inside“ das Album und lässt sofort in einen unheilschwangeren Kopffilm eintauchen. Die Bassdrum marschiert stumpf voran, während sich drum herum Synthesizer-Melodien und Soundeffekte entfalten. Mit einem für minimalen Techno erstaunlichem Pop-Appeal steigert das Stück sich, ohne jemals wirklich die Erfüllung zu erreichen. Unter Umständen ließe sich somit „Drift“ vorwerfen, es plätschere dahin. Ein solcher Tadel jedoch übersähe das hohe Maß an Vollendung, mit dem hier technoide Klanglandschaften produziert werden, die – bei nötiger Aufmerksamkeit – durchaus Potential bieten, dass man sich vollkommen in ihnen verliert. Sei es das von weiblichen Vocals untermalte „Seeing In The Dark“ oder das träge vorantreibende „Sweet“, Houles Tracks auf „Drift“ bergen durchaus die Gefahr, etwaige Herbstdepressionen massiv zu verstärken. Die (annähernde) Vollendung beunruhigender Klangästhetik schafft jedoch der Titeltrack, der leicht knarzend und aus der Wiederholung einzelner kleiner Motive die Atmosphäre eines dreckigen, einen verschlingenden, großstädtischen Molochs hervorruft: ein Zustand, aus dem sich erst bereits erwähntes „Hitcher Man“ wieder zu lösen vermag. Marc Houles „Drift“ ist ein leicht zu unterschätzendes Produzenten-Album, das sofort gefällt, dessen endgültige Qualität sich jedoch erst nach und nach offenbart.

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