Brandon Flowers – Flamingo

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Er hätte es lieber, wenn die Songs auf einem neuen Killers-Album gelandet wären, sagt Brandon Flowers. Dabei ist „Flamingo“ doch de facto ein solches. Unterschiede sind kaum auszumachen. Dem Erfolg steht also nichts mehr im Weg. Eine Stadionpophymne jagt die nächste, und der Kitsch trieft aus jeder Pore – und es ist irgendwie wunderhübsch, wie eine Sahnetorte mit Zuckerguss, wie ein überzuckerter Cocktail, wie eine Las-Vegas-Revue, die man volltrunken besucht. Nicht nur deshalb klingen Flowers‘ Stücke, obwohl sie neu sind, als kenne man sie seit Jahren – Jahrzehnten –, ja, sie klingen sogar wie liebgewonnene Klassiker.

Das beginnt schon mit dem eröffnenden „Welcome To Fabulous Las Vegas“, einer zutiefst amerikanischen, leicht melancholischen Popnummer – um das Wort Hymne nicht zu häufig zu benutzen –, die bereits nach zwei Minuten zum Mitsingen einlädt. In dieser – geistigen, poppigen oder musikalischen – Einfachheit geht das Album weiter, und es stört kein bisschen. Die Stadionatmosphäre drängt häufiger in den Vordergrund und alle singen mit. Besonders trifft das auf „Crossfire“, „Jilted Lovers & Broken Hearts“ sowie „Magdalena“ zu. Bei aller triefigen Kitschigkeit gehört aber letzteres tatsächlich sogar zu den Höhepunkten dieser Pop-Oper. Das Simple, leicht Zugängliche prägt die Stücke in all ihrer doch gegebenen Unterschiedlichkeit: sei es die nachdenkliche Ballade („Only The Young“), der einfach gute Pop-Song (eine Kooperation mit Jenny Wilson namens „Hard Enough“) oder eben die Stadionnummer.

Aus dem Wüsten- und Westernpop sticht vor allem „Swallow It“ heraus, das als U2-Komposition durchgehen könnte und als ausgesprochen wohlgeglückter Popsong um die Ecke kommt. Flowers Songwriting ist hier nahezu perfekt. Zudem fällt der Versuch am Soulpop aus dem Rahmen: „Playing With Fire“. Überhaupt scheint Flowers viel Musik – vor allem weißer – Soul-Sänger gehört zu haben, denn auch „Was It Something I Said?“ geht in diese Richtung und in „On The Floor“ traut er sich sogar, in Gospelgefilden zu wildern.

Bei allem Gefallen muss durchaus angemerkt werden, dass Flowers‘ Gesang gelegentlich den Eindruck macht, immer einen Viertelton daneben zu liegen, was aber auch an dem anderen Problem des Albums liegen könnte, der Produktion. Stuart Price und Kollegen schaffen es häufig, dass selbst die CD-Version klingt, als fehle im Klangbild etwas, als höre man fehler- und mangelhaft komprimierte Audiodateien. Aber da die poppige Begeisterung sicherlich über diese klanglichen Unzulänglichkeiten hinwegtrösten kann, steht dem Lob dieser überzuckerten Kalorienbombe namens „Flaming“, die zur sofortigen Herzverfettung führt, nichts im Weg.

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