Toog – Goto

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Ideen. Nichts als Ideen. Einfälle purzeln über akustische Illusionen, greifen Grundgedanken kurz auf und lassen sie rasch wieder liegen. Toogs Album „Goto“ ist eine einzige lange Ansammlung von kleinteiligen musikalischen Blitzen.

Bestes Beispiel ist gleich das eröffnende „Traffic Jam“: Aufnahmen von Automobilgeräuschen, weitere Field-Recordings, repetitive Synthesizer-Läufe, digitale Effekte und Pfeiftöne pendeln zwischen humoristischer Übertreibung und musikalischer Genialität. Am Ende überwiegt ein rein clownesker Eindruck – der das ganze Album über immer wieder unangenehm aufblitzt. Dabei offenbart nicht nur „Traffic Jam“ das kreative und musikalische Talent des Toog. Auch „Ou Va La Vie“ könnte ein unglaublich bezauberndes, modernes Chanson sein, getragen vom Gesang seiner Ehefrau. Ähnliches lässt sich über (die Grundbestandteile von) „My House“ sagen. Beide scheitern jedoch, ohne schlecht zu sein, an der Überfülle an Ideen, an angefangenen Gedankengängen … an der geringen Aufmerksamkeitsspanne des Künstlers? So gestaltet sich der Titeltrack als elektro-akustischer Folk und strengt doch vornehmlich an, trotz seiner kurzen Dauer.

Elektro-akustische Chansons und Folknummern bestimmen das Album. Sie gelingen mal überzeugender, wie das pulsierende „Traffic Jam“ oder das düstere „Ebreche“, und mal fast – eben „Goto“ – nervig oder tatsächlich nervenaufreibend – „What Did You Say?“. Besonders stark gelingen „Are Visages Electric“ und „L’Esprit De L’Inventeur“, auch wenn sie aufgrund nicht vollkommen nachvollziehbarer Brüche und Motivwechsel etwas zerhackt wirken. Mit einfachsten Mitteln und vereinzelten Tönen schafft Toog atmosphärisch tiefe, filmische Klanglandschaften. Bei allem Gefallen an den Stücken – oder auch nur ihren Teilen – erleiden Künstler und Album auf gesamte Dauer Schiffbruch aufgrund der Überfülle musikalischer Einzelteile und mangelndem Fokus. Am konzentriertesten ist vielleicht „Alabama Gay“, eine luftig leichte Popnummer; zauberhaft auf gewisse Weise, aber gleichzeitig an ihrem – aufgesetzten – Humor krankend.

Es ist fast tragisch, wie die Begeisterung des Hörers über einzelne Takte, halbe Stücke vielleicht sogar, ansteigt, um dann fallen gelassen zu werden, weil ein anderer musikalischer Strang dem Künstler interessanter erscheint. Alles auf „Goto“ taugt als Element eines Mixtapes, als außergewöhnlicher Lückenfüller oder Übergang. Auf Albumlänge aber – und zum Teil auch auf der Länge einzelner Stücke – verliert es stark an Reiz. Die Verbindung aus leichter Poppigkeit und künstlerisch oder musikalisch avantgardistischem Komödienstadl ist interessant und vielfach lohnend, aber zeugt entweder von der Unentschiedenheit des Künstlers oder der mangelnden Vorbereitung des Hörers.

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