Snax – Special Guest Star

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Die Magie, die einer Verbindung von Funk und Soul mit Disco und House innewohnt, hat in diesem immer noch jungen Jahrhundert zahlreiche Künstler erfasst. Zuvorderst ist natürlich die erweiterte Kanada-Berlin-Connection zu nennen, um unter anderem Mocky, Gonzales, Taylor Savvy oder Jamie Lidell. Nicht zuletzt seit seiner Mitwirkung auf Jamie Lidells Alben gehört Snax ebenfalls zu diesem Kreis.

Auf seinem neuen Album „Special Guest Star“ gibt er nun den zurückgelehnten Prince für das neue Jahrzehnt und zeigt zudem, dass er seinen Kollegen in kaum etwas nachsteht. Bei all dem poppig-seelenvollen Funk, den die Stücke des Albums verströmen, und der zwingt, ihnen potentiell das Zeug zu Überraschungshits zuzugestehen, bleibt anzumerken, dass es alles eher weniger spannend und kaum außergewöhnlich daherkommt. Beispielhaft für das Problem, wenn auch nicht für den Stil des Albums mag „Get Live Snax” genannt sein. Der Instrumental-Funk steht in einer dreißigjährigen Tradition und fügt ihr kaum Neues hinzu. Der housige Titeltrack stolpert überhastet voran und selbst das Bass- und Beat-lastige „Get In Trouble“ versäumt es, neben antreibender Partystimmung seinen Mehrwert zu belegen. Ins Blut geht er vornehmlich dann, wenn dort schon andere Substanzen sind. Bouncend treibend überzeugt dagegen die Kooperation mit Eric D. Clark „The Spark“ vollständig.

Snax‘ Soul- und Funk-Gesang verbindet sich mit elektronischen, zwischen House und Disco, zwischen Party und Bar pendelnden Instrumentierungen. Viele Nummern (z. B. „Don’t Wanna Get Over“) beinhalten dabei immer die ein oder andere Sollbruchstelle, um den Wohlklang nicht zu sehr Überhand nehmen zu lassen. Auch wenn sie vielleicht nicht die spannendsten Nummern sind, gelingen subjektiv wohl jene Stücke am überzeugendsten, die der Harmonie den meisten Raum geben. Dazu gehört zum Beispiel „Third Time’s A Charm“. „Back To Start“ ist sogar eine echte Hymne – und dazu bedurfte es vermutlich nicht einmal der gegebenen Mitwirkung von Jamie Lidell und Ms. Le Bomb. „Special Guest Star“ ist – und das ist natürlich fast eine Beleidigung – ein nettes Album, dessen auditive Harmlosigkeit als Langeweile gewertet werden könnte, würde nicht das letzte Albumdrittel eine überraschende, eine begeisternde Kehrtwende schaffen. Dennoch, ein einfach nur charmanter und liebenswürdiger Special Guest ist meist doch eher eine latente Enttäuschung.

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