Robbie Williams – Reality Killed The Video Star

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Da ist er also wieder, der angebliche Dinosaurier, der Superstar, den jeder kennt, der aber eigentlich einer jener Stars ist, die zwar überall erfolgreich sind, die aber sicher nicht (mehr) die ganz große Hysterie verursachen. Eher zwischen REM und Moby einzuordnen, denn zwischen Königin Madonna und König (Michael Jackson).

Robbie Williams‘ Comeback „Reality Killed The Video Star“, das zu Zeiten, als nicht in regelmäßigen Abständen ein Album erwartet wurde, kein solches gewesen wäre, hat dabei drei Probleme. Zunächst und überhaupt fehlt das Alleinstellungsmerkmal. OK, da ist seine Stimme, die heutzutage jeder erkennt, ansonsten aber könnten A-ha, Take That, Nelly Furtado, Reamonn, Foo Fighters, Pet Shop Boys oder Nickelback diese Songs geschrieben haben oder präsentieren. Mit Bezug auf den sicherlich von der Plattenfirma angestrebten Erfolg fehlen zudem die Hits, die Stücke, die alle Fans von Tokio Hotel, Rammstein, Depeche Mode, Abba und Scooter dazu bringen, sich „Reality“ zu kaufen. Aus der Indie-Popfan-Perspektive wiederum mangelt es an jenen umwerfenden Ohrwürmern, die Hassreflexe auslösen, denen sich zu entziehen dennoch kaum möglich ist. (OK, es gibt das süßlich-zauberhafte „Starstruck“ und „Blasphemy“ und vielleicht noch etwas, aber das war es auch.)

Andererseits aber präsentiert sich Robbie hier einmal mehr als routinierter Interpret und Entertainer. Ihm wurden einfache und einfach gute Popnummern geschrieben, die nicht vom Hocker reißen, die aber vor allem nicht stören. „Reality“ ist angenehme Unterhaltung, wobei die Betonung auf „angenehm“ liegt. Orchestrale Streicher geben die nötige Grandeur, Gitarrenpop schafft möglichst große Vertrautheit, elektronische Rhythmusgeber sind unauffällig und doch effizient. So wird das Pop-Einmaleins durchexerziert und in Maßen variiert, aber nicht revolutioniert. Offensiver Antrieb und süßliche Beruhigung stehen nebeneinader, konkurrieren nicht, sondern wollen gleichzeitig zum Erfolg kommen und schaffen das im Maß der Möglichkeiten des Pop. Entsprechend finden sich Stücke für alle Lebenslagen oder vielmehr – im Sinne der Radiotauglichkeit – für alle Jahreszeiten; Vielleicht ist der Winter etwas über- und der Sommer etwas unterrepräsentiert. Das Album begleitet unaufdringlich und gibt sich dabei emotional so ambivalent, wie es Pop sollte, beziehungsweise wie es nur reiner Pop kann. Geht es dir schlecht, kannst du dich in deinem Unwohlsein suhlen oder dich aufrichten lassen. Geht es dir gut, verstärken die Stücke das Jubeln oder erden dich in der Realität. Ganz, wie du es möchtest.

Daraus einen Strick zu drehen, sei anderen überlassen. Ebenso, einzelne Stücke herauszuheben. Zu kontinuierlich ist der Fluss, als dass irgendetwas herausragen oder übermäßig abfallen würde. Vereinfacht formuliert: Wenn du das ganze Jahr nur ein Pop-Album kaufen kannst, gibt es sicherlich viele, die qualitativ besser sind, aber kaum eines, das so wenig stört; nämlich gar nicht und niemanden (außer die Indienazis).

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