Heaven And – Bye And Bye I’m Going To See The King

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Nach „Wildling“, dem aktuellen Album des Kammerflimmer Kollektiefs, veröffentlicht Staubgold nun mit Heaven Ands „Bye And Bye I’m Going To See The King“ das nächste atmosphärisch dichte Werk mit Impro-, Jazz-, Krautrock-Charakteristiken. Die Platte zehrt wie auch „Wildling“ von der Bedeutung, die jedem einzelnen Ton im Ganzen zugemessen wird. Anders als das Kammerflimmer Kollektief aber, bei dem 2010 jeder kleine Baustein auch eigenständig Relevanz zukommt, stellen Heaven And die Einzelteile in den Dienst der größeren Einheiten Track und Album.

Zu Beginn lässt „Babylon“ das Album sich langsam aus abgründigen Tiefen erheben, bis das Stück disharmonische Perfektion erreicht und langsam wieder in sich zusammenfällt. Sowohl in der stillen Harmonie, die das Stück rahmt, wie der der Beinahe-Kakophonie im Zentrum vermögen Heaven And, die Emotionen des Hörers anzuregen. Stille und latenter Lärm finden sich immer wieder auf „Bye And Bye“. Auch der Spannungsaufbau aus der Stille heraus und wieder zu ihr zurück ist typisch.

Zart fast ängstlich tastet sich im Titeltrack die Gitarre voran, wird von leichten Rhythmusmustern, ebensolchen Bläsern und sporadischen Streichern geleitet, verliert dennoch aber gelegentlich Pfad und Halt. Die Wirren des Weges erscheinen als scheinbar ordnungslose Schlagzeuggebilde. Deren großer Auftritt – in Zusammenwirkung mit Feedbackeffekten – rettet „Om“ davor, in meditativer Harmonie zu vergehen. Die Nachwirkungen dieser Katharsis bilden den Großteil von „Blue, Even“, bevor ein Bluesrock versucht, die Trance des Hörers wiederherzustellen.

Mit fortschreitender Dauer des Albums schleicht sich durchaus der Gedanke ein, es handele sich hier vor allem um postrockende, muckerhafte Effekthascherei. Insbesondere „When The Roll Is Called“ trägt hierzu bei und auch das abschließende „Earth Magic“ vermag nicht, den Verdacht vollständig auszuräumen. Das geordnete Durcheinander der Instrumente im letzten Stück des Albums lässt jedoch zumindest teilweise die faszinierende Intensität der ersten beiden Albumdrittel wieder auferstehen und erzeugt in sich einen eigenständigen Charakter, der einen weiter zu- und immer genau hinhören lässt.

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