The Japanese Popstars – We Just Are

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Hypes bedeuten nichts, das sollte langsam bekannt sein. Entsprechend ließe sich auch behaupten, es sei unklar, wieso The Japanese Popstars nicht nur in ihrer Heimat Irland gefeiert werden, sondern – so hört man – von Justice bis Crookers, von Basement Jaxx bis 2ManyDJs und von Erol Alkan bis Azzido Da Bass hoch gelobt werden. Allerdings wundert es kaum, wenn Bass-Fanatiker von den Werken der Kollegen sehr angetan sind. Nicht zuletzt werten sie das eigene Set auf.

Die Wertschätzung der globalen Rave-Elite täuscht jedoch – wie auch bei deren eigenen Werken – nicht über eine Tatsache hinweg: The Japanese Popstars präsentieren auf „We Just Are“ genau jene Art von basslastigem Electro, der Ende der 1990er Jahre als Big Beat bezeichnet wurde. Weniger als Crookers, 2ManyDJs oder Justice sind die Iren also Fatboy Slim, Chemical Brothers oder Basement Jaxx verwandt. Entsprechend altbacken wirken die verzerrten Bass-Explosionen zwischen „Sample Whore“ und dem finalen „We Just Are (Finalizer)“. Über weite Teile des Albums ähnelt der Einsatz von Bass und Beats einem flächendeckenden Streubomben-Abwurf in einem Kriegsgebiet. Nur das Ergebnis zählt – die totale Erschöpfung des Zuhörers und Zuschauers –, der Weg dorthin ist egal. Die völlige Verausgabung des (Live-)Hörers – wie vermutlich der Künstler selbst auch – ist dabei garantiert. Auf Platte jedoch stört das stumpfe Abfeuern einer Salve nach zwei anderen, der Mangel an Finesse in Produktion und Arrangement – zumindest ein wenig. „Sample Whore“, „Face Melter“, „Delboys Revenge“ starten das Album so, „Rise Of Ulysses“, „Total Distorted Mayhem“ und „F19B (Droppin’ Bombs)“ schließen es in gleicher Weise.

„B.C.T.T.“ lässt es barmherziger angehen, funktioniert aber potentiell eben nur als Ruhepause im allgemeinen Blutvergießen. Das Atemholen dauert noch eine Weile an. Zwar nimmt „Dr Frenchy Bernard“ wieder Fahrt auf, verzichtet aber auf übermäßige Bassattacken und lässt stattdessen verfrickelte, aber nie unzugängliche Beat-Kaskaden durch Boxen und Ohren tanzen. Ähnlich zurückgenommen folgt zudem „Anthepic: We Have Taken Over“, das offenbar als Band- und Tanzflächen-Hymne gedacht ist. In dieser ruhigeren Albummitte überzeugt am meisten das housige „The Smile“, das aber ebenfalls ohne Umwege den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entsprungen zu sein scheint.

Den Gesamteindruck dominiert die auditive Kriegsführung. Allerdings wäre es falsch zu behaupten, diese „Geborenen Bass Massenmörder“ würden mit diesem Vorgehen stören. Das ist – vielleicht gerade wegen seines latenten Anachronismus – schon verdammt amüsant. Erst die letzten zwanzig Minuten dieser 70minütigen Tour de Force übertreiben es und zehren an den Nerven. „Total Distorted Mayhem“ und „F19B (Droppin’ Bombs)“ gehen in den verzehrten elektronischen Flächen mindestens einen Schritt zu weit – oder das Album ist spätestens da zu lang. Da ändert auch erwähnter „Finalizer“ nichts daran, dass Ermüdung – körperliche Auszehrung – einsetzt. Dabei ist gerade „We Just Are (Finalizer)“ der Hit des Albums, könnte in seiner epischen Poppigkeit, seinem akustischen Auftrieb den Eindruck zum Abschluss prägen. Aber zu sehr überdeckt das Chaos, das Martialische, das direkt zuvor herrschte, die Schönheit des Abschlusses. „We Just Are“ bleibt damit ein amüsant anachronistisches Partyalbum, das ziemlich schnell vergessen werden kann, das aber mit „The Smile“ und „We Just Are (Finalizer)“ zwei Stücke bietet, die bleiben könnten.

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