Raz Ohara And The Odd Orchestra – II

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Analog und digital, Perkussion und Melodie und Störgeräusche. Tastend umspielen sich auf Raz Oharas zweitem Album mit dem Odd Orchestra diese Elemente. Haben sie sich mit Raz‘ unverwechselbarem, gequetschtem Funk-Soul-Gesang gefunden, entfaltet sich dieser einmalige Ohara-Soul, der, tief aus dem schwülen Rhythm’n’Blues des Mississippi-Deltas entspringend, eine unterkühlte nord-europäische Komponente annimmt und in seiner unglaublichen Zerbrechlichkeit bezaubert.

Ein Höhepunkt dieses Odd-Orchestra-Klangs findet sich gleich zu Beginn in „I’m Burning (Desire)“. Über die ganze Länge des zweiten Albums vermögen Raz Ohara And The Odd Orchestra jedoch nicht diese Qualität aufrecht zu erhalten. Das beruht auf zwei Problemen. Zunächst besitzen manche Stücke (z. B. das um sich selbst kreisende „Losing My Name“) zwar alle Bestandteile des Beschriebenen, werden aber bestimmt von der spielerischen, tastenden Komponente und versagen so dabei, d(ies)en Hörer zu fesseln. Hinzu kommt – vielleicht ist es auch nur das gleiche Manko anders umschrieben -, dass Glanz, Zauber und Zerbrechlichkeit nicht ausreichen. Das Kühle des präsentierten Souls stößt nicht ab, verwehrt sich aber standhaft der Eroberung. Das eine oder andere Mal sterben die Stücke auf „II“ in all ihrer abweisenden Schönheit. Ein Beispiel mag „Varsha“ sein: in all seiner emotionalen Dichte könnte es zu Tränen rühren, doch ermüdet es auf die Dauer, es könnte ein perfekter Herbstsong sein, doch berührt es nicht.

Das gelingt umso besser dem abschließenden „Praise The Day (No One Owes You Nothing)“. Wo Raz Ohara und das seltsame Orchester andernorts ihre Stücke in ihrer Blüte vergehen lassen, glänzt „Praise The Day“ zunächst rein vokal und dann in schlichter Instrumentierung als einfacher wie effektiver Soul. Zuvor schon erstaunt und fesselt und begeistert das verwirrend verworrene „Kingdom“. Liegt es nur an seinem Akzent, seiner Betonung oder singt Ohara hier tatsächlich rückwärts – ein faszinierendes Stück elektronischen Souls und einer der, leider raren, Höhepunkte auf „II“. Zwischen instrumentalen Fragmenten und elektronischen und experimentellen Stücken Souls schafft es das zweite Album des Odd Orchestras nicht, die gleiche Begeisterung auszulösen wie der Vorgänger im Jahr 2008 mit seiner schlichten Mischung aus Folkloristischem und fehlerhaft Elektronischem.

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