Mikkel Meyer – Bacon

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Das geschmackvollste Cover des Jahres 2009 besitzt Mikkel Meyers „Bacon“ ohne Zweifel. Zumindest, wenn über Brusthaare und Wampe hinweggesehen wird. Äußerst gehaltvoll kommt es zudem daher. Die Kalorienzahl verringert sich nicht im Laufe der einzelnen Stücke: Jordbærkage, Bananasplit, Kotelett, Flødebudding…

Das explizite Augenzwinkern dieser Äußerlichkeiten findet sich jedoch im Musikalischen kaum wieder, wenn nicht jeder gebrochene Beat und jeder Subbass als verschwörerisches Blinzeln gedeutet wird. Dann würde das Album wie eine einzige Aneinanderreihung hochklassiger Scherze wirken oder aber als Ausdruck eines eher unheimlichen Ticks. Einen solchen besitzt Meyer ganz sicherlich im Bezug auf geschmackvoll arrangierte Electro-Bass-Kunstwerke. Altmodische Warp-Bleeps und düsterer Dubstep, aus der Zeit gefallener Drum’n’Bass und hektische Grime-Beats geben sich in rascher Folge die Klinke in die Hand und warten dabei nicht notwendigerweise das nächste Stück ab.

Ins Zentrum des Albums stellt er offenbar ganz bewusst die zwei Stücke, die das dänische Menü internationalisieren: „Bananasplit“ und „Kokostosca“. Wo die Erweiterung des Kühlschrankinhalts eher ironisch verstanden werden mag, stellen die beiden Tracks in ihrer Afrika-Dänemark-Verknüpfung, in ihrem Afro-Step oder Southern-Grime tatsächlich eine logische und sinnvolle Erweiterung der nordischen Klangkulturen mittels der südlichen Raps dar. Kein einfacher Genuss beides, zu viel Aufmerksamkeit erfordert das Durcheinander aus Beats und Vocals, doch umso lohnender. Das Hektische, das nie stört, ist vielleicht der rote Faden auf „Bacon“. Selbst wenn das Grundtempo mal eher reduziert erscheinen mag, versprühen Bleeps and Beats eine aufwühlende Unruhe. „Ostetærte“ und „Flødebudding“ klicken scheinbar unorganisiert vor sich hin, bis einem die sacht wummernden Subbässe bewusst werden, die sich tief ins Gehör bohren.

Zu Beginn führt „Tatar“ jedoch auf eine falsche, eine HipHop-Soundtrack-Fährte. Geordnete und eher simple Beats und Bässe tragen dazu bei. Sphärisch flirren die Synthies unter den pushenden Rhythmen. Der HipHop tritt dann in „Tunge“ vollkommen zu Tage, bleibt aber in dieser reinen Form auch auf den Albumbeginn beschränkt.

Den unbestrittenen Höhepunkt auf „Bacon“ bildet aber das maschinell stampfende „Dyreryg“, das in seiner Monotonie, seiner industriellen, klanglichen Knochenverwertung staunen lässt. Ohne „Dyreryg“ wäre Mikkel Meyer ein gutes Album gelungen. So ist es eine wirklich sehr gute, erstaunliche Platte.

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