John Roberts – Glass Eights

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Im Rückblick – und es ist jetzt, wo dies geschrieben wird, diese Zeit des Jahres 2010 – gehört Dial zu den großen Labels des Jahres 2010: Efdemins „Chicago“, Pawels „Pawel“ und John Roberts „Glass Eights“. Auch Pantha Du Princes „Black Noise“ kann natürlich – auch wenn auf Rough Trade erschienen – nicht unabhängig von Dial gesehen werden.

Besonderes Augenmerk verdient jedoch sicherlich John Roberts Albumdebüt, das eben vor allem das ist: ein Album. Von der knisternden Eröffnung bis zu den letzten Streicherklängen im abschließenden Titeltrack befindet es sich in einem steten Fluss, der den Hörer umspült, ihn bedächtig, aber stetig vorantreibt. Bereits die ersten zwei Piano-Noten, die im Eröffnungsstück „Lesser“ erklingen – und dann immer mal wieder im Laufe des Stücks auftauchen – wecken Aufmerksamkeit und nehmen gefangen. Setzt dann nach 40 Sekunden die Basslinie ein, folgt man willenlos wie die Ratten in Hameln diesem musikalischen Magier.

Seinen warmen, melancholischen Deephouse inszeniert Roberts vergleichsweise behäbig für elektronische Tanzmusik, aber dennoch vermag er es durch überraschende, spontane Tempowechsel und ein Gespür für den perfekten Spannungsbogen Momente der geistigen Ekstase zu setzen. Dies alles durchströmt eine analoge Natürlichkeit, erzeugt durch das Wechselspiel aus Live-Instrumenten, Samples und digitalen Effekten. Das inszenierte Rauschen, Pianoanschläge, synthetische Melodien und fast unauffällig und doch immer zwingend Beat und Bass – all die klassischen Elemente geben Roberts House-Entwürfen eine Eigenständigkeit, eine fast poppige Zugänglichkeit. Roberts schafft mit einem vielfach minimalem Einsatz seines Werkzeugs, eine maximale Reaktion des Hörers zu provozieren. Dies schließt ein Gefühl der Anspannung ein, das die Stücke erzeugen. Besonders beeindruckend erzeugt Roberts das Gefühl der latenten Bedrohung in „Pruned“ durch den Einsatz des Samples eines kurzen Einatmens. Vor allem aber rührt die Spannung aus der Räumlichkeit der Arrangements her. Die Instrumente scheinen eine Dreidimensionalität zu erzeugen. Zudem existieren zwischen den einzelnen Klängen Räume, die den Hörer auffordern, sie in seiner Imagination zu füllen. Fast aus dem Rahmen fallen auf „Glass Eights“ das annähernd stürmische „August“ sowie das vollkommen auf Klavierklänge, einzelne stille, perkussive Elemente und versetzte Kontrabass-Anschläge reduzierte „Went“. In ihrer Gegensätzlichkeit zeigen sie aber auch die einnehmende, die stille, aber unglaubliche Qualität des Albums auf.

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