Filewile – Blueskywell

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Lounge Hop, Dub, Dancefloor Jazz, Funk, Big Beat, Reggae, Dubstep, Pop, HipHop, Electro. Irgendwo dazwischen platzieren Filewile (aka Dejot und Dustbowl oder auch Daniel Jakob und Andreas Ryserins) ihr neues Album „Blueskywell“. Melodiemuster und analoge Synthesizer, verquere Beatsequenzen und verspielte Fragmente bilden weitgehend das Bett für die ruhigen, chilligen bis tanzbaren Pophop-Electro-Nummern und ihre häufig filmische Weite. Pate gestanden haben abwechselnd – nach aller popkultureller Wahrscheinlichkeit – Pizzicato Five oder zumindest Towa Tei, die gesamte Ninja-Tune-Stammbelegschaft und das Kill-Bill-Duo aus Quentin Tarantino und RZA.

Vokale Unterstützung in ihren mal absurden, mal grandiosen Electro-Jazzfunk-Expeditionen erhalten die beiden Schweizer von Joy Frempong und RQM. Auf der tanzbaren Seite stehen von UK-Garage (konkreter, Grime und Dubstep) inspirierte Stücke, die gegenüber den eher filmischen Inszenierungen jedoch leicht abfallen. So ist die Vorabsingle „Number One Kid“ zwar durchaus gelungen, wirkt zwischen dem Dancefloor-Jazz „Sombrero Or Die“ zu Beginn und dem Space-Hop „Kick The Spacedrum“ aber doch eher deplatziert. In galaktischer Weite geht das Album weiter mit „Radio Tower“, das ebenso an DJ Kozes Moonboots Kick Ass Mix von „Clouds Across The Moon“ der Rah Band erinnert wie an Towa Teis Großtaten.

Die Grime-Schiene findet sich im funky Electrohop „Bug“ ebenso wie im verrückten „Robibot“. Auch „Swahee Swahoo“ gehört in die gleiche Schublade, ist in seiner verschwurbelten Filmhaftigkeit aber eher entbehrlich. Vollkommen unnötig allerdings erscheint das Balkanbeatexperiment „Balaton Soupdrink“. Ebenfalls nicht unbedingt Pflichtgenuss ist das überlange, ambient elektronische „One Space Town“. Weitaus zugänglicher lassen sich der reggae-gewandete Titeltrack und der Dubreggaeelectro „King Of The World“ genießen. Letzterer klingt verdächtig nach Massive Attack und auch der Electrosoul „Iron Lady“ erinnert an die 90er Jahre – abgesehen von RQMs Rap-Beitrag. Den Gemischtwarenladen komplettiert das herausragende „The Cave“ als paranoide musikalische Sozialstudie, die durch den übertriebenen Kopfstimmengesang umso eindringlicher gelingt.

Die Qualität der Sammlung aus diesem und jenem namens „Blueskywell“ reicht von nett bis grandios, von absolut zeitgemäß bis vollkommen altmodisch. Das ließe sich abwertend als nichts Halbes und nichts Ganzes bezeichnen, es ließe sich bemängeln, dass es neben keinem vollkommen durchgefallenem Stück auch nichts wirklich Gutes gebe. Allerdings ist in dieser musikalischen Minestrone so viel verschiedenes Gemüse drin, dass es zumindest kurz- bis mittelfristig in all seiner Vielfalt ausreichend Interesse beim Hörer weckt.

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