Die Sterne – Der Riss EP

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Die Sterne. Institution und Säulenheilige des deutschen Independent. Hamburger Schule und so. „Themenläden“ ist einer dieser Songs, den die meisten Freunde entsprechender Musik sicher schon einmal gehört haben. Zu seiner Zeit (1997) erschien eine Remix-EP, auf der sich neben Tobi und Bo auch Egoexpress, Le Hammond Inferno, Sand8 oder sogar Rockers Hi-Fi des Songs annahmen. Es war die erste Hochphase der Wiedermischung von bekannten Stücken. Tanzbar war von den Mixen Manches, seltsam Anderes, gut Vieles.

Zeitsprung ins Heute. „Der Riss EP“. Eigentlich kaum mehr als eine Maxi-Single, aber die kauft heute ja keiner mehr. Also Extended Play. Der benannte Riss bezeichnet nach der Selbstauskunft nicht nur den Abschied des langjährigen Bandmitglieds Richard von der Schulenburg, sondern den Grund dieses Abschieds: die Wandlung, das Wiederaufgreifen, das verstärkte Hinwenden zu tanzbaren Disco-Strukturen, zu elektronischen Beats und Bässen. Die angegebene ästhetische Wandlung, die „Der Riss“ also verdeutlichen soll, beruht auf der Kooperation mit Gomma-Gründer Mathias Modica, der als Mitmusiker und Produzent die EP mitgestaltet. So weit weg vom klassischen Sterne-Klang ist das Endergebnis dann jedoch nicht. Frank Spilkers Gesang ist noch immer da. Funky akzentuierte Rhythmen hatten die Sterne vom Post-Punk eh im Blut und dass das nun leicht mehr in Richtung Disco geht, fällt vor allem in „Nach Fest Kommt Lose“ kaum auf. Auch „Neblige Lichter“ fügt sich in direkter Linie in einen potentiellen Sterne-Kosmos ein, betont jedoch das Tanzbare, eröffnet mit den Mitteln des Laptop- und Synthesizer-Musikanten neue Tiefe für die traditionelle „Bandmusik“. Spannungsaufbau und rhythmische Mittel versuchen erfolgreich, den Plattendreher-Tanzflur in die Sterneästhetik einzubinden. Am deutlichsten erklingt der Wandel jedoch im ersten Stück „Deine Pläne“, das stampfend einen Bogen schlägt zu den aus Krautrock und Post-Punk schöpfenden Tracks eines James Murphy (LCD Soundsystem).

Auch wenn die Wandlung nicht übermäßig intensiv erscheint, so ist die Wirkung der veränderten Ausgangssituation doch offenbar. Zu sagen, die Band habe im letzten Jahrzehnt an Relevanz verloren, hieße übertreiben, nichtsdestotrotz erscheinen die Musiker auf „Der Riss – EP“ eine Frischzellenkur hinter sich zu haben und mit neuer Begeisterung ans Werk zu gehen. Eine Kraft, die sie auf den Hörer zu übertragen vermögen. Sechzehn Minuten neuer Musik der Sterne, die mehr aufhorchen lassen, als das eine oder andere der letzten Alben.

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