Curse Ov Dialect – Crisis Tales

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Erbarme’, die Aussies komme’! Der südhemisphärische Schmelztopf Australien kocht, die zähflüssige Masse blubbert und aufplatzende Blasen schicken ihre Klänge in alle Welt. Curse ov Dialect geben sich alle Mühe, die multiethnischen Klangkulturen ihrer Heimat (egal, ob als die Welt oder Australien interpretiert) in ihren Alternative-HipHop einzubinden, damit zunächst zu verblüffen und nachfolgend zu begeistern. Die Stücke sind ebenso „Old School“, wie sie die Grenzen des Genres erweitern wollen.

Beats und Rhymes sind dabei irgendetwas zwischen chaotisch und faszinierend. Die vielfältigen Samples und Melodiefragmente stehen da kaum nach, geben aber dennoch diesem wilden Gemenge den inneren Zusammenhalt. Während die Texte in der Mehrheit die Realität oder zumindest die wahrgenommene Gegenwart reflektieren, fehlt diese Gelassenheit den meisten Stücken. So steht „Media Moguls“ in seiner melancholisch-ruhigen Herangehensweise eher allein da. Es überwiegen die vorwärts drängenden, den Hörer geistig nicht zur Ruhe kommen lassenden Tracks. Beispielhaft mögen dafür sowohl „Paradigm“ wie auch „Missionaries“ stehen. Allerdings täuscht letzteres zumindest streckenweise noch einen eher zurückgenommenen Charakter vor, was vor allem an den Folk-Fideln im Hintergrund liegt. Gleichzeitig bringt es den multinationalen Charakter der „Crisis Tales“ in der Vermischung von englisch- und spanisch-sprachigen Raps zum ersten Mal auf den Punkt. Solche Mischtracks finden sich im Folgenden fast durchgängig.

Das wahrlich Spektakuläre an den „Crisis Tales“ besteht aber sicherlich in seiner durchgängigen qualitativen Steigerung. Interessant, aber nicht zwangsweise hochklassig beginnt es, steigert sich über erwähnte Stücke immer weiter bis zu den umwerfenden „Aegean Ghosts“ und „Draindrop“. Tief aus den internationalen Rap-Archiven schöpfen Curse ov Dialect, sie haben das Wissen von 30 Jahren HipHop aufgesaugt und setzen dies so um, dass sie am Ende dem Hörer fast den Atem rauben. Als sei das nicht genug, setzen die fünf aus Melbourne, unterstützt von zahlreichen internationalen und multisprachigen Gästen und Rhyme-Zauberern, zum Schluss mit dem gigantischem, opulentem, Ton gewordenem Technicolor-Epos „Colossus“ ihrem Album die Krone auf.

Es wäre falsch, einmal mehr von neuer Hoffnung für den sterbenden HipHop zu reden, denn es wird immer irgendwo Künstler geben, die das Genre weiterbringen. Aber dennoch sollten die Krisengeschichten schon das eine oder andere Auge (wieder) zum Leuchten bringen. Vermutlich wird das Album kaum jemanden erreichen, aber man kann ja mal hoffen. Die Aufmerksamkeit wert ist es allemal.

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