Various – Warp20 Chosen

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20 Jahre Fall der Berliner Mauer. 20 Jahre Warp Records. Was schwerer wiegt? Die Frage zu stellen, ist schon reichlich unverfroren. Allerdings bedauern vermutlich weniger Menschen die Gründung von Warp. Egal, welches 20jährige Jubiläum es ist, es möchte gefeiert werden. So präsentiert Warp dieser Tage ein Box-Set. Zwei Teile dieser Luxus-Edition erscheinen zudem als Compilations: Warp20 Recreated und Warp20 Chosen.

Schon ein Blick auf die Tracklist verrät, warum Warp immer wieder subjektiv und objektiv Label des Jahres wird. 20 Jahre repräsentiert es nun die Speerspitze elektronischer Musik und seit 2005 auch die des Independent Rock. Autechre, Squarepusher, Boards of Canada, Aphex Twin, … !!!, Battles, … Grizzly Bear, Gravenhurst, Maxïmo Park. Zwar finden sich weder Maxïmo Park, !!! noch Gravenhurst auf der „Warp20 Chosen“-Sammlung, aber das ist eine bloße Randnotiz im Angesicht der Fülle an kollektiven und singulären Lieblingsnummern, die von Fans und Co-Gründer Steve Beckett ausgewählt wurden.

Dieses präsentierte Who Is Who verleitet dazu, ein Urteil zu fällen, ohne einen Ton (wieder)gehört zu haben. Da würde dann festgestellt, Beckett präsentiere mit „GNG BNG“ sicher nicht den besten Track von Flying Lotus, und es würde der Sinn bezweifelt, die Fans ihre Favoriten nennen zu lassen. Da fänden sich eh nur die allgemein bekannten und allgemein besessenen Stücke. Weiter würde angemerkt werden, es sei doch wirklich nicht nötig, die erste Hälfte der Compilation gerade mit Aphex Twins „Windowlicker“ und „Röygbiv“ von Boards Of Canada zu eröffnen. Das Hören aber klärt die Fragen. Diese Stücke sind so wahnsinnig gut, sie müssen hier einfach die Qualität des Labels beweisen dürfen.

„Röygbiv“ erscheint, als gehöre es wirklich zum kollektiven Unbewussten, Squarepushers „My Red Hot Car“ hebt gebrochene Beats auf ein ganz neues Level, und Battles‘ „Atlas“ läuft eh außerhalb jeder Konkurrenz. „LFO“ wiederum ist eine Hymne, die beim ersten Ton das Herz jubeln lässt. Die Fans haben zudem unter anderem das einfach schöne „Eyen“ von Plaid ausgewählt und überraschen mit Luke Viberts „I Love Acid“.

Steve Beckett wählt ähnliche Namen. Aphex Twin, Autechre, Squarepusher, Battles, Boards Of Canada finden sich auf beiden Hälften dieser Sammlung. Zudem bietet Beckett aber auch den Dreampop von Broadcasts „Tender Buttons“, erwähnten Flying Lotus, Jamie Lidell oder die zweiten Künstler auf Warp überhaupt: Nightmares On Wax mit „I’m For Real“. Dazu gibt es zum Beispiel Grizzly Bears „Colorado“, das deren aktuelles Album „Veckatimest“ in den Schatten stellt, sowie Mike Ink.s begeisterndes „Paroles“.

Braucht jemand diese Sammlung? Wahrscheinlich kaum einer der Warp-Jünger. Aber das ändert nichts an der atemberaubenden Qualität der 20 Jahre Musikgeschichte namens Warp und der hier präsentierten Auswahl.

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