Sankt Otten – Morgen Wieder Lustig

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Sankt Ottens Musik zu greifen, fällt nicht leicht. Natürlich ist und bleibt es auch auf „Morgen Wieder Lustig“ in erster Näherung Ambientmusik, die in einer direkten Linie zu Brian Eno oder Harmonia zurückweist. Im Zentrum stehen immer noch weit ausgedehnte Synthesizerflächen und ebensolche wie sanfte Gitarrendrones. In Verbindung mit den rhythmischen Betonungen, die sich – scheinbar verirrt – immer wieder finden, besitzen die Stücke von Sankt Otten gelegentlich jedoch eine drückende Intensität, die den Hörer mehr als nur einfach gefangen nimmt.

Wie jedes Projekt, dessen Musik im Bereich des ambienten, den Hörer um- und durchfließenden Klangs verortet werden kann, droht Sankt Otten der Vorwurf der langweiligen Musik, doch fallen Stephan Otten und Oliver Klemm diesem nie zum Opfer. So vordergründig gemütlich ein Stück wie „Mein Freund Aus Köln“ dahin gleiten mag, so intensiv ist doch die erzeugte Atmosphäre. Stimmungen zu erzeugen ist das entscheidende Kriterium dieser Musik, und tatsächlich gelingt es Sankt Otten erneut, ihre Musik klingen zu lassen, als begleite sie eine Geschichte, die sich nur und ausschließlich im Kopf des Hörers abspielt. Das hebt sie nicht ab von den Kollegen, aber es ist wohl die größte Wertschätzung, die dem Genre jenseits einer latent esoterischen Sichtweise entgegen gebracht werden kann.

Im Unterschied zu der komplexen Interaktion der Klangschichten bei Kreidler verfolgen Sankt Otten einen geradlinigen, einen direkten Ansatz in ihrer Musik. In Verbindung mit der eher dem Post-Rock entspringenden denn elektronisch-technoiden Klangästhetik – wie sie zum Beispiel The Sight Below nutzt – entstehen so Stücke voller Tiefe, die gleichwohl ihre Schönheit ohne große Mühen offenbaren.

Die Verbindung ambienter Räume und Flächen mit einer leicht jazzigen Rhythmik ergänzen die Musiker diesmal – in den Ohren des hier schreibenden Hörers – um eine deutlich poppigere Ausrichtung. So gewinnen die Stücke weitere Zugänglichkeit, ohne Spannung zu verlieren. Diese Intensität gewinnen die Tracks auf „Morgen Wieder Lustig“ aus einer stärkeren Betonung der eben auch im Post-Rock wurzelnden Rhythmik der Stücke, die „Mutter, Jazz Und Der Heilige Geist“ eine streckenweise fast militärisch stampfende, bedrohliche Atmosphäre verleiht. Auch das hektische Pochen in „Mit Popcorn Und Champagner“ lockert die Stimmung nicht wirklich auf. Dagegen eignet sich „X Für U“ in seiner dann doch elektronischen Traumhaftigkeit als Anime-Klanginstallation. Im Zentrum des Albums stehen jedoch das „Fromme Lügen“, das die Geradlinigkeit des Albums ausgehend von einer reinen Klangmalerei mittels komplexer Jazzrhythmik verlässt, und „Lustig, Lustig Demain Encore Lustig“, dessen motorischer Groove Sankt Otten und den Hörer vor sich hertreibt.

Eingerahmt wird dies vierte Sankt-Otten-Album in seiner begleitenden Wirkung vom gloriosen, fast religiöse Ausmaße annehmenden „Ein Himmel Voller Galgen“ und dem diesen Glanz erden wollenden „Ich Bin Dann Mal Oben“, das den Hörer offenbar in eine für ihn ungewisse Zukunft entlassen möchte.

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