Robot Koch – Death Star Droid

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Bass und Beats. Das sind die Gründe, deretwegen die Schnittmenge aus HipHop/Dancehall und Electro zu den fruchtbarsten musikalischen Umgebungen der letzten zwanzig Jahre gehört. Im UK entsprangen ihr immer wieder neue Spielarten des dortigen Garage-Klangs (mit Dubstep und Funky als aktuellen Ausprägungen) und auch der Bristol-Klang des TripHop entstammt dieser Ursuppe. In den USA finden sich – jenseits des Mainstreams – ebenfalls unzählige Künstler, die beide Genrefamilien nutzen, um die Musik des 21. Jahrhunderts zu gestalten. Diplo steht hierbei am zugänglichen Ende des Spektrums, während Mochipet ein Beispiel für die experimentelle Ausprägung darstellt, für eine Musik, die durchaus eine Neigung zur Körperverletzung hegt. Eine dritte Hochburg der Verbindung von HipHop und Electro ließe sich in Berlin verorten, wo neben dem und potentiell im Schatten des (Minimal-)Techno eine Vielzahl von Produzenten neue Klangentwürfe gestalten. Modeselektor und DJ Shir Khan dürften die größte Bekanntheit, Chris De Luca vs. Phon.O die stärkste HipHop-Affinität besitzen. Robot Koch zählt wie sie zu den Bass-Liebhabern. Nicht erst das 2005er Debütalbum von Jahcoozi bewies die Qualität seiner Produktionen in besagter Schnittmenge aus HipHop beziehungsweise Dancehall und Electro. Neben den Bässen kennzeichnet dabei eine Neigung zum IDM, zum Glitch seine Tracks.

Glitch Hop taugte dann sicherlich auch am ehesten als Beschreibung der ersten Veröffentlichung auf seinem Label Robots Don’t Sleep, seiner „Aftershocks-EP“ vs. Cerebral Vortex. Weder da noch auf der aktuellen „Namedropper EP“ von Jahcoozi noch auf dem Album „Death Star Droid“ offenbart Koch tatsächlich alle seine Einflüsse, die von HipHop bis Jazz, Punk und Metal reichen, oder irgendwo zwischen Radiohead, Coltrane, Curtis Mayfield, Anti Pop Consortium, Cornelius und Beach Boys ihre Mitte haben. Dazu bedarf es schon des Forschens nach aktuellen und älteren Online-Mixtapes. Aber auch das Album überzeugt in seiner Vielseitigkeit. Dabei ist es – für das Genre erstaunlich und erfreulich – kurz.

Der Titeltrack folgt mehr oder weniger nahtlos erwähntem Glitch Hop der Aftershocks-EP oder auch Jahcoozis „Namedropper“. In aller Fülle der Störgeräusche, die quer der Beats laufen, schwingt jedoch subtil bereits jene sanfte und abgeklärte Harmonie mit, welche im Verlauf des Albums immer wieder die Augen glänzen lässt. Nicht nur in „Away From“ übernimmt sie die Oberhand. Zwischen gebrochen Beats und warmen Synthesizerflächen umfließt die Musik den Hörer. In ähnlicher Weise, doch noch zugänglicher und hypnotisierend schließt sich „Hard To Find“ an. Das dub-steppige Doors-Cover „People Are Strange“ vertieft diese Stimmung und „While“ gibt den wohlklingenden Todesstoß, indem es wie ein basslastiger Remix von Portishead wirkt und damit die klaustrophobische Atmosphäre deren letztjährigen Albums „Third“ wieder heraufbeschwört.

Diesen klangmalerischen Stücken gegenüber stehen die experimentelleren Tracks, die – da zeigt sich die musikalische Verwandtschaft des Roboters zu Flying Lotus – eine Proto-Science-Fiction-HipHop-Vision entwickeln. Diese ist natürlich im Kern nicht mehr futuristisch, sondern vollkommen im hier und jetzt geerdet. Natürlich ließe sich jetzt mutmaßen, Koch orientiere sich übermäßig an Flying Lotus und Portishead. Als Gegenbeweis mögen jedoch die Klangentwürfe auf Jahcoozis Debüt dienen. Auch der Electro-Soul der Autodrive vs. Jahcoozi EP aus dem Jahr 2008 kann als Beleg für die Ursprünge der Klangkonstrukte auf „Death Star Droid“ stehen. Dieser experimentelle, wacklige, dubstep-verwandte Electro-Hop findet sich auf dem Album in „Love And The Machine“ oder dem fantastischen Electro-Soul „Heaven“. Hinzu gesellt sich mit „Gorom Sen“ eine zwischen Dubstep und Ghettotech-Klängen lokalisierte Club-Nummer, die oben erwähnte Berliner, Londoner und US-Produzenten ziemlich begeistern dürfte. Während die harmonischen, atmosphärischen Stücke den Gesamteindruck dominieren, wirken augenblicklich doch die beat-intensiveren Stücke nachdrücklicher. So gelingt Robot Kochs „Death Star Droid“ als vordergründig vor allem seelenvolles, im Kern aber offensiv pushendes Album, das in den entsprechenden Kreisen eigentlich für einiges Aufsehen sorgen sollte.

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