Karo – Sing Out, Heart

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Wenn ein Album innerhalb eines Jahres zweimal erscheint, verwirrt das. Wenn dieses Album jedoch beim ersten Release fast von niemandem beachtet wurde, ist der zweite Versuch – bei einem anderen Label – durchaus angebracht – vor allem, weil im September die Qualität des Werks viel bewusster gewertet werden kann als im Trubel der Album-Des-kommenden-Jahres-Hypes im Frühjahr und der Nachbetrachtung der Hitlisten des Vorjahres. Bei dem im Januar bereits von manchem zu Recht gefeierten Album, das nun wieder erhältlich sein wird, handelt es sich um „Sing Out, Heart!“, das Debüt der Würzburgerin Karoline Schaum oder einfach Karo.

Mit traumwandlerischer Sicherheit schafft sie hier kleine Song-Schönheiten, die einen in all ihrer Schlichtheit wehrlos da stehen lassen. Ihre simple Struktur wird auch ihr Verhängnis sein, denn in der Schnelllebigkeit des Pops 2009 ist wohl kaum Platz für Lieder, die einfach nur von der Zerbrechlichkeit des Gesangs und dem Gespür der Künstlerin für Melodien zehren und immerhin eigentlich Pop im Sinne der Maria Menas dieser Welt sind. Es fehlt das Spektakulär-Innovative ebenso wie das eine Alleinstellungsmerkmal, das die Vivas und Radio Antennes der Nation aufmerksam werden lässt. Beides ist natürlich kein Mangel, lässt das Album eher noch besonders strahlen, wird es jedoch wohl auch diesmal im Schatten stehen lassen.

Dort im Zwielicht gewinnt es mit seiner Ungezwungenheit, in seinem einfachen Glanz. Im Halbdunkel kommt dann auch Thees Uhlmann zu Äußerungen wie jener, dass Karos Stimme zerbrochene Herzen wieder zusammen flicke. Eine Aussage, die sicherlich unterschrieben werden kann – unabhängig von der Person des gewählten Werbeträgers. Andererseits aber ließe sich Karos Gesang über weite Strecken des Albums eher damit beschreiben, sie ließe Herzen in tausend Scherben zerspringen, ihr Gesang – Vorsicht, Klischee – erweiche Steine.

In dieser Ambivalenz aus Trösten und Zerstören spielen die Songs auf „Sing Out, Heart!“. In diesem emotionalen Spannungsfeld nimmt Karo den Hörer gefangen mit Songs, die ebenso im Pop-Folk beheimatet sind, wie sie die schwere Traurigkeit einer Beth Gibbons transportieren. Sie spielt Lieder, die ebenso viel vom 90er Alternativerock in sich haben, wie sie dessen radiotaugliche Umsetzung kennen. „Sing Out, Heart!“ gelingt im Spätwinter 2009 wie im Frühherbst 2009 als unauffällige Platte, deren Stärken jeden Moment die Schönheit der Trauer wie die Tragik der Freude offenbaren und die zudem nur Stärken besitzt.

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