Lusine – A Certain Distance

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Jeff Mc Ilwain verbindet als Lusine auf seinem neuen Album „A Certain Distance“ Ambient, Electro und Pop in effektiver, harmonischer Weise. So gelingen ihm Perlen des Pop, die sich die Spielzeit jedoch teilen mit recht einfach Stücken, die vornehmlich einen chilligen, einen räumlichen Charakter besitzen. Leider schwächeln diese gelegentlich, sind jedoch nie wirklich schlecht.

Zu den Hits im poppigen Sinne gehören „Two Dots“ und „Twilight“ mit dem Gesang von Vilja Larjosto. Insbesondere ersteres zählt sicher zu den schönsten Stücken, die im Jahre 2009 veröffentlicht wurden (und werden). Voll verspielter Lebensfreude schillert es prächtig und verbreitet ekstatisches Wohlgefühl. In der Albumvariante eigentlich überhaupt nicht clubtauglich, erzeugt es dennoch die großen Gefühle der Nacht. „Twilight“ hingegen wirkt eher besänftigend, liefert fehlerfreie Popharmonien, gewinnt seinen Charme aber aus zusätzlichen elektronischen Störgeräuschen.

Statisches Rauschen und vereinzelte Fragmente von Beats und Melodien machen den Reiz von „Baffle“ aus, das den Hörer langsam ummantelt. Horrorfilmstil in der Musik ließe sich hierzu ebenso sagen wie zum Beginn von „Double Vision“, das jedoch schnell in elektronischer Popschönheit zu strahlen beginnt. Harmonie, reine, ambiente Harmonie. Auch der Opener „Operation Costs“ wird von McIlwain als atmosphärisch intensiver, elektronischer Überwurf gestaltet. Der Hörer treibt in der Musik dahin. Nur selten fordert ein stolpernder Takt echte Aufmerksamkeit.

Offensiv entwickeln sich wenige Stücke auf „A Certain Distance“. Allein „Every Disguise“ durchbricht die positive Harmlosigkeit des Albums mit seinen kräftiger pumpenden Beats. Aber auch hier lässt Lusine den Track nie wirklich abheben. Etwas schneller als die Mehrheit der Stücke eilt auch „Gravity“ daher und trotzdem beruhigen seine Beats eher, denn dass sie tanzbar wären. Solch clubtaugliche Klänge, die immer noch gebremst erscheinen, verwendet McIlwain allein in „Crowded Room“, dem Aufbruch kurz vor Albumende. Diesen belebten Ausstieg aus dem Album würgt er jedoch gleich nachfolgend mit „Cirrus“ ab. Sphärische Weite elektronischer Flächen suggerieren Weite und engen doch ein. Sie stehen zudem für die weiteren Stücke des Albums, die in eher konventionellen ambient-poppigen, chillig-elektronischen Gefilden beheimatet sind und den Gesamteindruck der Platte schmälern. Manch Schönes und manch dröge Zwischenphase findet sich auf „A Certain Distance“. Tragisch ist eigentlich nur, dass es ebenso halbwegs öde auch endet. Ansonsten ließe sich sagen: Es ist wie das Leben, ein andauernder Adrenalinrausch wäre ja auch nicht auszuhalten.

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