Haito Göpfrich – Fiat Lux

am

Bei DJ-Alben stellt sich zumeist die Frage: Album-Album oder lose Tracksammlung? Anschließend darf erörtert werden: für den Club oder für den Kopfhörer? Haito Göpfrich gelingt es, mit „Fiat Lux“ beiden Fragen erfolgreich auszuweichen. Zwar erscheinen Album und Stücke nur locker verbunden, sie ergeben aber dennoch eine Einheit, und produziert Göpfrich die Stücke noch so funktional und auf den Club gerichtet, überzeugen sie doch ebenso im Wohnzimmer oder unter Kopfhörern.

Schon der Opener „I Ro Love“ reißt gleich zu Beginn mit seinen Beat-Triolen mit; setzen die Gitarren-Samples und die pluckernden Bässe ein, ist nach gut einer Minute Verzückung garantiert. Und der Song steigert sich noch. Fünf Minuten Glück zu Beginn eines Albums. Wirklich verlieren kann da kein Künstler mehr. Besonders nicht, wenn er mit „Pusher“ seiner Kreativität weiter freien Lauf lässt, oder eher sie in so staunen lassende Bahnen lenkt. Weniger ekstatisch als der Vorgänger schleicht der Track sich ins Stammhirn, überrascht mit Rennsportgeräuschen und ostasiatischen Klangeffekten, ist auf Dauer zwar etwas monoton, aber nie langweilig.

Offenbar gehört Haito Göpfrich zu den DJs, denen der Schalk im Nacken sitzt. Treibend und doch verspielt lässt er „Disconnected“ zunächst leicht blubbernd im Sand verlaufen, bevor es Fahrt aufnimmt, bevor es die großen Tanzflächengefühle aufleben lässt oder den Hörer in fremde Galaxien entsendet. Hier, aber besonders in „E-Love“, gestaltet Göpfrich seine Stücke mit traditionellen Elementen, die leicht kitschig, schlager-housig wirken könnten, entledigt sie aber ohne Mühe jeder üblen Anhaftung und lässt den Hörer sie einfach feiern. In „E-Love“ sind es die variierten Synthie- und Piano-Triolen, die Lateinamerika-Anklänge, die weniger talentierten Produzenten zur Großraumdiskobeschallung verkämen, die hier aber einfach … „kicken“. In gleicher Weise überzeugt „Non Plus Ultra“.

Aber „Fiat Lux“ lebt von der Vielseitigkeit. „Freedub“ ist eben das, funky Dub, atmosphärisch dichtes Ambiente und pumpende Beats. Dazu gesellt sich mit „Drugpeople“ ganz großer, frickeliger Electropop aus Vocals und purem Rhythmus und mit „Komm Mal Klar“ sogar 2raumwohnung-Pop in einfach und, vor allem, in gut. Soweit gab es genügend Momente, die den Mund staunend offen stehen ließen, aber wenn Haito in „The Need To Believe“ Eric D. Clark den Electro-Crooner geben lässt, steht endgültig fest, dass „Fiat Lux“ ein Album ist, gekommen um zu bleiben. In der Balance aus deepen, treibenden, aus amüsierenden, aus reduziert-verspielten oder einfach poppigen Nummern liegt seine Magie.

Advertisements