Moritz Von Oswald Trio – Vertical Ascent

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Auch wenn „Vertical Ascent“, das Album des Moritz von Oswald Trios, natürlich die Heimat des Moritz von Oswald in Techno, Dub oder Dubtechno spiegelt, lässt es sich vor allem aus einer anderen Sichtweise besonders würdigen. Zusammen mit Sasu Ripatti (auch bekannt als Luomo oder Vladislav Delay) und Max Loderbauer bildet von Oswald hier eine instrumental agierende, live spielende Gruppe, deren Ansatz, der Projektname deutet es an, eher einer experimentellen Musik-, einer Jazz-Idee entspringt. Die Stücke des Albums werden einfach als durchnummerierte „Pattern“, als Muster, benannt, bestehen zunächst aus jeweils einer perkussiven Vorlage, der weitere rhythmische und melodische Elemente gegenüberstehen. Jedes Pattern löst spezifische Gefühlwelten aus.

Unruhe lässt sich dabei mit dem ersten Stück verbinden, das vor allem nervöse, hektisch getriebene Energie verströmt. Diese erfasst den Hörer und greift ihn in ihrer Intensität psychisch an. Den pulsierenden Rhythmus ergänzen wechselnde, unstete Melodietakte sowie auf- und abebbende, metallisch pluckernde, filmische Klangeffekte. Mit der Geschwindigkeit reduzieren sich auch die Effekte im zweiten Stück. Träge und fast langweilig treibt es voran. Was nach der hektischen Betriebsamkeit des „Pattern 1“ zunächst erholsam wirkt, unterstützt auf Dauer des Stücks eine innerliche Anspannung des Hörers. Ein – irgendwie gearteter – Aufbruch wird erwartet, findet jedoch nicht statt. Die Tätigkeit des Hörens ist darauf begrenzt, das Hin und Her der Töne, den Ursprung einzelner Elemente nach zu verfolgen und zu identifizieren. Das Moritz von Oswald Trio reduziert Musik auf ihre klein(st)en Bestandteile. Scheinbar voneinander unabhängige Töne oder Tongebilde ergeben doch ein rhythmisches und in gewisser Hinsicht sogar melodisches Ganzes.

„Pattern 3“ beschleunigt das perkussive Tempo wieder und fügt mit einer subtilen Basslinie eine technoid tanzbare Komponente hinzu. Die rhythmische Gleichzeitigkeit der verschiedenen Elemente nimmt einen nahezu karibischen Charakter an. Insgesamt erscheint dies dritte Muster harmonischer, vollständiger als die vorhergehenden. Abschließend führt „Pattern 4“ diese Vervollständigung weiter. Wiederum weder hektisch noch träge pumpt es dubbig reduziert aus den Klangerzeugern. Schicht um Schicht bäumt es sich auf, strebt nach oben und verdeutlicht den Albumtitel „Vertical Ascent“. So tritt das Album als Expedition in nicht unbedingt neue, aber interessante, rhythmische Schalldimensionen auf. Einem elektronisch-technoiden Hintergrund entstammend, mit den Mitteln und in der Form eines Jazz-Trios, schaffen von Oswald, Ripatti und Loderbauer eine faszinierend-anstrengende Hörerfahrung. Nicht mehr, aber vor allem nicht weniger.

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