Malcolm Middleton – Waxing Gibbous

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Malcolm Middletons drittes Solo-Album seit dem Ende von Arab Strap – das fünfte insgesamt – und einmal mehr erwartet dieser Hörer ein Wunderwerk, um dann enttäuscht festzustellen, nur eine routiniert gute Songwriter-Platte von Mr. Selbstzweifel zu hören. Was aber sind tatsächlich die berechtigten Ansprüche an einen Künstler, der sich selbst irgendwo im weiten Feld zwischen James Blunt und Will Oldham verortet? Keine Ahnung … vielleicht rumpeliger, zwischen weinerlich und bombastisch vorgetragener, gefühlvoller, semi-akustischer Pop, sperrig und doch zugänglich, die perfekte Balance? – Also das, was Middleton einmal mehr erfolgreich abliefert. Allerdings überrascht er von Album zu Album in der konkreten Form des Vortrags und erwischt einen so auf dem falschen Fuß. Was mit jedem Album gelingt, versucht er auf „Waxing Gibbous“ von Song zu Song und selbst innerhalb der Stücke.

So stürmt er gleich zu Beginn mit „Red Travellin’ Socks“ feurig poppig voran ins Album hinein, der Hörer mag sich verwundert fragen, ob er aus Versehen eine falsche Platte aufgelegt habe. Erst Middletons Gesang verdeutlicht die Richtigkeit. Schon hier variiert er das Arrangement laufend, lässt den Song vorzeitig ausklingen, wieder aufleben, einschlafen, täuscht einen Aufbruch an, lässt Ruhe folgen. Ein Vorgehen, das sich durch das ganze Album hindurchzieht. „Kiss At The Station“ nähert sich dann aus der Ferne in D-Zug-Tempo und -Lautstärke dem Gehör, um dann in mittlerer Distanz und Geschwindigkeit vorbeizuziehen. Mit am besten verkörpert „Kiss“ so die Ambivalenz der Gefühle, die „Waxing Gibbous“ bestimmt. Hymnisch, doch gebremst. Voller Melancholie, aber mit inbrünstiger, aufbrechender Freude auf das, was kommen mag. Nach solch energischem Beginn nimmt „Carry Me“ das Tempo vollkommen heraus, lässt als akustische, beinahe-Spoken-Word-Nummer voller Streicher stolpern.

So finden sich also selbstverständlich auch wieder beschwingt voraus schreitende, gemütsschwer lamentierende Stücke wie „Don’t Want To Sleep Tonight“. Die reduzierte, einfache Schönheit der „Ballad Of Fuck All“ gehört hier ebenso dazu in all ihrer mehrstimmigen Harmonie und bezaubernden Melancholie wie das zarte akustische „Made Up Your Mind“. Komplex zerbrechlich gibt sich Middleton weiterhin in „Box & Knife“.

Für die grundlegende, poppige und doch komplex arrangierte Vielfalt des Albums stehen das rhythmisch akzentuierte, leicht elektronisch angehauchte und so fast tanzbare „Zero“ oder das schunkelnde „Stop Doing Be Good“. Dies bricht bedrückt zusammen, versinkt fast, um kurz vor Ende voller wütender Energie wieder aufzuerstehen. Ähnlich erklingt das wunderbare „Shadows“, und „Subset Of The World“ gibt sich überraschend pop-rockig.

Auf „Waxing Gibbous“ überwiegen Songs, die erobert werden wollen, die in ihrer Heterogenität erhöhte Aufmerksamkeit verlangen. Leichte elektronische Anklänge und Streicherseligkeit, nach-, um- und übereinander, Brüche und Übergänge. Das gelingt mal mehr, mal weniger, stört aber nie die Freude an einem Stück, erschwert nur die Zugänglichkeit insbesondere dieses „Pop“-Albums als Ganzem. Aber umso lohnender erweist sich die intensive Auseinandersetzung.

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