Major Lazer – Guns Don’t Kill People… Lazers Do

am

Es bleibt dabei: Diplos Maddecent-Blog gehört zu den verpflichtenden Quellen Bass- und Beat-orientierter Musik im weltweiten Netz. Diplo und Switsch wiederum veröffentlichen nun als Major Lazer mit „Gun’s Don’t Kill People… Lazers Do“ ein Album, das als Würdigung der eigenen musikalischen Wurzeln im Dancehall verstanden werden soll.

Die Kombination „Diplo plus Switch plus Gäste“ (Santigold, Future Trouble, Ricky Blaze uvam) garantiert für eine hochgradig partytaugliche, aber auch anhaltend lohnende Platte. „When You Hear The Bassline“ und insbesondere „Hold The Line“ stehen zu Beginn für eine dancehall-angelehnte Interpretation von Diplos aka Wesley Pentzs globalisierten Ghetto-Trash-Tech-Sound. Er verfährt hier einmal mehr nach dem Motto, je mehr absurde Elemente und Samples ein Song enthalte, je überraschender er also sei, desto besser müsse er auch sein.

So weit, so bekannt, die Überraschung kommt mit „Can’t Stop Now“. Eher roots-orientiert schmeichelt es sich ins Ohr, nur der Bass wummert möglicherweise noch ein wenig mehr als im originalen Jamaika-Sound. So hofierend erklingt auch „Cash Flow“. Beides potentiell perfekte Einstiege ins Album, die so mittig platziert die hormon-geladene Stimmung stören. Im Grunde klassisch bleibt es noch eine Weile. Das „Lazer Theme“ kommt als altbewährt aggressiver Dancehall, der sich nur in seiner B-Movie-Western-Instrumentierung abhebt und auch die Science-Fiction-Klänge in „Anything Goes“ oder die Eurodancetrash-Sounds in „Bruk Out“ machen die Songs zu kaum mehr als durchschnittlichem Sean-Paul-Dancehall.

Dass Switch und Diplo deutlich mehr können, zeigt der Marching-Band-Stampfer „Mary Jane“. Die wirklich lohnenden zehn Minuten finden sich aber am Ende des Albums. Zwar ist „Keep It Goin’ Louder“ der qualitativ schwächste Track und kaum mehr als durchschnittlicher Rihanna-Lady-Gaga-Black-Eyed-Peas-Jamaica-Dancetrash, aber gerade so entwickelt er eine weltumspannende Hittauglichkeit, die von Kingston bis Kinshasa, von Moskau bis Osaka, von Philadelphia bis Brisbane funktionieren sollte. Nachdem so das Niveau abgesenkt und der Hedonismus angeschaltet wurde, greift „Pon De Floor“ erneut das Marching-Band-Thema auf, lässt uns das Gehirn endgültig abschalten und führt uns in einer Polonaise auf die Tanzfläche. Da dürfen wir dann noch drei Minuten „Jump Up“, „Jump Up“, „Jump Up“ rufen, auf- und abspringen, und uns darüber freuen, dass Switch und Diplo zum Ende hin so grandios die Dancehall-zum-Dancetrash-Kurve bekommen und tatsächlich drei Hits auf „Guns Don’t Kill“ versteckt haben. Ansonsten wäre es schon ein ziemlich uninteressantes Album gewesen. So bleibt nur ein Mangel: Warum wurde die Miniature namens „Baby“ nicht zu einem vollständigen Song erweitert? Autotune-Kleinkind-Klänge als Grundlage eines Partykrachers, das wäre mal ein Hit.

Advertisements