Clark – Totems Flare

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Etwa 18 Monate war es zum Zeitpunkt dieser Rezension her, da erschien Chris Clarks hoch gelobtes Album „Turning Dragon“. Material für drei Alben will Clark seitdem fertig gestellt haben, 45 Minuten davon erscheinen nun als „Totems Flare“. Eine EP ging voraus, und er ist bereits an der Arbeit für neue Tracks. Beim Genuss von „Totems Flare“ nun kann sich dieser Hörer nicht des Eindrucks erwehren, ein wenig mehr Ruhe, mehr Sorgfalt in der Tätigkeit des Produzierens täte Chris Clark gut.

Natürlich ist ihm ein gutes Album gelungen, selbstverständlich enthält es mit „Growls Garden“ einen der Tracks des Jahres. Aber der steht eher verloren da im Albumkontext und fand sich zudem bereits auf der „Growls Garden EP“ im März.

Der Beginn verdeutlicht den Gegensatz, der sich durch das Album und seine Tracks zieht. Zu Beginn kommt mit „Outside Plume“ eine lose, melodische Sammlung elektronischer Effekte, die zunächst – und immer mal wieder – zu faszinieren vermag, aber auf lange Sicht eben doch schnell offenbart, wie einfach gestrickt sie ist. Es folgt „Growls Garden“: Emotional enorm aufgeladen, voller akzentuiert gesetzter Beats, hymnische Melodie. Selten entfalten im Grunde offensiv produzierte, eher zerstört elektronische Tracks eine solche poppige, harmonische Atmosphäre, vermögen zugleich so angsteinflössend zu sein. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle nimmt in fünf Minuten ihren Lauf, in einer Zigarettenlänge spielt sich im Kopf ein ganzer Film mit Überlänge ab.

Ähnliche Qualität erreichen im Albumverlauf nur noch „Talis“ und „Suns Of Temper“. Das eine wirkt wie eine Fortsetzung des Films „Growls Garden“, das andere setzt das Konzept vollendet um, welches das gesamte Album zu bestimmen scheint: mittels chaotischen Klangtricks, melodischem Rauschen und aggressiven Beats die Seelenlage des Hörers zu beeinflussen.

Ansonsten mögen einzelne Takte ähnlich gut sein, verstecken sich aber – wie in „Totem Crackerjack“ oder „Rainbow Voodoo“ – zwischen Effekteskapaden und Zitaten: Portishead in „Totem Crackerjack“, Daft Punk in „Look Into The Heart Now“, Kraftwerk in „Future Daniel“. Versatzstücke intelligenter Tanzmusik Marke Warp werden aneinandergereiht, ohne inhaltlich in einem Zusammenhang zu stehen. Hinzu gesellen sich Anklänge an die französische Dance-Szene und fertig ist ein hybrides Etwas.

Für den Freund des IDM ist das selten störend und so gut wie nie lohnend. Vielmehr fließt „Totems Flare“ wie ein lauter rauschender Bergbach am Gehör vorbei. Glucker, sprudel, braus, rausch, plätscher. Hängen bleiben so nur „Growls Garden“ und das abschließende, – im Wasserbild bleibend – einem ruhigen Teich ähnelnde „Absence“. Voller Harmonie und Ambiente entlässt es uns akustisch in die (durchaus ersehnte) Freiheit.

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