Busta Rhymes – Back On My B.S.

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Schon vor knapp zwei Jahren verbreitete sich die Kunde, das nächste Album von Busta Rhymes namens „Back On My B.S.“ werde bald veröffentlicht. Im Frühsommer 2008 erschien eine belanglose bis nervige Single unter Mithilfe Linkin Parks, und das Album sollte im September des Jahres folgen. Im Frühsommer 2009 ist es also soweit, Busta ist zurück auf seinem „Bullshit“.

Busta Rhymes, Eminem, Black Eyed Peas. Drei Acts, die im HipHop mehr als ein bisschen Glaubhaftigkeit zu verlieren haben, oder auf die ein oder andere Weise bereits verloren haben, bringen in diesen Wochen neue Alben heraus, und bezüglich all dieser Acts nagen gewisse Zweifel, ob die Platten denn qualitativ werden überzeugen können. Im Fall von Busta Rhymes aka Trevor Smith gründen diese Magenschmerzen in einigen Feature-Auftritten der letzten Jahre und besagter letztjähriger Single.

In der Tat passt die Single in den Grundcharakter des Albums als Abbildung des Stands des Genres HipHop im ausgehenden ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. So ordnen sich die Tracks allesamt im radio- und musikfernseh-tauglichen Segment ein, besitzen aber – und das überrascht – zumeist einen Schlag Extra-Qualität, der sie von manchem Kollegen abhebt. Allerdings stehen die Produktionen doch nicht so weit über dem Durchschnitt, um einen in ungebrochene Begeisterungsstürme ausbrechen zu lassen. So sind die Beats nie spektakulär oder erscheinen neu. Ähnliche Backingtracks geben Flo Rida, Beyoncé, Sean Paul oder Lil Wayne die Grundlage, und auch Busta selbst sprechsang in der Vergangenheit über solche. Neben Bustas Flow und den Gastvocals vermag es die Produktion aber immer zu unterhalten und die Tracks spannend zu gestalten. Vor allem gelingen die Stücke eben durchgängig poppig, ohne zu einfach zu erscheinen. Auf dem schmalen Grat zwischen Unterforderung der „Genießer“ und Überforderung der ominösen Radiomasse balancieren alle Nummern erfolgreich. Am schwächsten, da vordergründig zu simpel, schleicht der Soulrap „Decision“ mit Jamie Foxx, Mary J Blige, John Legend und Common ins Gehör. Tatsächlich ist er nicht schlecht, wirkt jedoch als Fremdkörper im Rest des Albums. Ähnlich sanftmütig gehen Busta und Jelly Roll in „Sugar“ ans Werk. Basstrommeln und Fistelgesang im Widerstreit lassen den Track dennoch nicht so aus dem Albumkontext herausfallen wie „Decision“, das gleichzeitig das Stück ist, zu dem Mr „Rhymes“ am unauffälligsten beiträgt. Auch im weiteren Albumverlauf kann der subjektive Eindruck gewonnen werden, die Gäste bestimmten das Album, was nicht schadet.

So entspringt die Qualität des Abschlusses „World Go Round“ zuvorderst aus dem Kontrast zwischen Estelles zartem Gesang und den aggressiv springenden Electrobeats von Jelly Roll. Bustas Reimemonster-Flow bildet dazu in gewisser Weise die Sahnehaube oder wird als gegeben hingenommen, obwohl er den Track im Grunde bestimmt. Estelle, Akon, T.I.., T-Pain und Lil Wayne auf der Gästeliste wirken, als sei die Produktion bemüht gewesen, all jene beitragen zu lassen, die 2008 für Verkaufserfolge sorgten. Das Akon-, T.I.-, und Busta-Stück „Don’t Believe Em“ hätte genau so auf Akons oder T.I.-Platten enthalten sein können, passt somit also perfekt in die Top Ten der (deutschen) Single-Charts. Dort oder in der Nähe wird sich vermutlich in Kürze „Hustler Anthem ’09“ wieder finden. Einerseits funky warm hüpfend, andererseits unterkühlt klinisch cruisen Busta und T-Pain durch die Nacht. In der gleichen Massenkompatibilität wird „We Want In“ angegangen.

Ganz anders der Einstieg ins Album. „Wheel Of Fortune“ zeigt nicht nur Busta Rhymes in Topform am Mikrofon, insbesondere die Produktion des alten Weggefährten DJ Scratch schließt einen Bogen zu vergangenen Großtaten. Beide in Hochform machen auch aus dem träge dahin tropfenden „I’m A Go And Get My“ einen der Höhepunkte des Albums. Geradezu episch entwickelt sich „Shoot For The Moon“, bei dem sich Busta von seinen allerbesten Seiten zeigt. Auf die jamaikanische Dancehall zielt „Kill Dem“, eine Neptunes-Produktion, die dank Busta fast nicht als solche zu erkennen ist und erst auf den zweiten Blick die üblichen Bestandteile offenbart. Düster präsentieren sich Busta, Lil Wayne und Jadakiss in „Respect My Conglomerate“. Ohne Autotune-Wayne wäre der Track wahrscheinlich noch besser, allerdings fängt die Inszenierung diese Schwäche locker auf.

Es ist kaum zu glauben und erscheint fast als Unfall, aber „BOMBS“ gelingt als ungemein vergnügliches Uptempo-HipHop-Album. Zeitgemäß, aber nicht billig, verwurzelt in Busta Rhymes‘ Historie, aber nicht altmodisch ist Trevor Smith mit diesem Album tatsächlich zurück in seinem eigenen Revier. Autotune-Hasser müssen natürlich die Kollaborationen mit T-Pain und Lil Wayne und einige Tracks mehr ignorieren, ansonsten aber ist „Back On My B.S.“ wirklich ein erfrischender Genuss.

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