Underworld Vs. the Misterons – Athens

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Wer schon immer ein Mixtape von Underworld haben wollte, der wird jetzt von Karl Hyde und Rick Smith zufrieden gestellt. Unterstützt von ihren Mitstreitern Darren Price und Steven Hall (zusammengefasst: The Misterons) bieten sie eine Compilation, die insgesamt nicht hochklassig ist, die aber als Mixtape rundum überzeugt. Dies gilt vor allem, weil die Musiker ihrer Leidenschaft für den „Geist des Jazz und der Improvisation“ frönen, weil sie tief in den Truhen des künstlerisch Wertvollen oder gar Verkopften graben.

Einiges davon ist vermutlich tatsächlich kulturelles Allgemeingut – so wie Roxy Musics „2HB“ oder Underworlds eigenes „Oh“ (aus dem A Life Less Ordinary Soundtrack) – und unbestreitbar gut. Der andere de facto Underworld-Track – die bisher unveröffentlichte Kooperation Karl Hydes mit Brian Eno („Beebop Hurry“) dagegen erscheint eher unmotiviert ans Ende der Sammlung geklatscht; kaum jemand würde sie vermissen, wenn sie nicht da wäre. Zwischen „Oh“ und „Beebop“ gestalten Underworld das letzte Albumdrittel recht technoid mit Laurent Garniers 2009er Techafrobeat „Gnaumankoudji“ und dem schrillen Funkchaos „New York City“ von Miroslav Vitous.

Am Ende gibt es also ein wenig von dem, was viele wohl erwarten würden von solch einem Underworld-Mixtape. Die wahren Qualitäten finden sich jedoch zuvor. Wenige der Underworld-Fans dürften Alice Coltranes Sitar-Drones kennen, die hier in Form von „Journey In Satchidananda“ die Compilation eröffnen. Jazzig-meditativ legen Underworld vs. The Misterons nach mit einem Stück von Mahavishnu Orchestra sowie der verschwurbelten Schönheit des Squarepusher-Tracks „Theme From Sprite“. Soft Machines ambienter Krautpop „Penny Hitch“ verzaubert danach ebenso wie die „Space Odyssey“ des The Detroit Experiment, die allerdings streckenweise doch als eher herkömmliche Jazz-Adaption gesehen werden darf. In gewisser Weise geläufige Jazz-Electronica ist auch Moodymans „Rectify“ und eben aber auch ganz große auditive Verzauberung – eine Becircung, die der tiefe Sog von Osunlades „The Promise“ in Marianengraben-Tiefen verstärkt.

Underworld vs. The Misterons machen auf „Athens“ fast alles richtig, und auch mit den kleinen Einschränkungen, die gemacht werden müssen, ist diese Compilation ein popkulturelles Pflichtprogramm in diesem Herbst. Das soll einmal mehr nicht heißen, jeder müsse sie besitzen, sondern vielmehr, dass jeder sich mit den vertretenen Künstlern einmal auseinandergesetzt haben sollte. Das wiederum geht kaum einfacher als in Form dieser Sammlung, dieses Mixtapes.

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