Tosca – No Hassle

am

Österreichischer Downbeat hätte – im Rückblick – die späten 90er und frühen 00er Jahre dominieren können. Zu den Vorboten gehörten Kruder & Dorfmeister. Richard Dorfmeister und Rupert Huber wiederum haben als Tosca zwischen Klanglandschaftsmalerei und dubbigen Dancefloorklängen eine alpine Perspektive für elektronische Musik zwischen Wohnzimmer und Club entwickelt.

Auf „No Hassle“ betonen sie dem Titel entsprechend die Ruhe und fordern musikalisch zur Entschleunigung auf. Diese klangliche Rast beeindruckt in der ihr – hier – immanenten Wärme und Sinnlichkeit. Mancher Hörer mag zu „Muzak“- oder Lounge-Vorwürfen greifen, indessen besitzt das Album „No Hassle“ tatsächlich eine erstaunlich hohe Spannung. Der ambienten Atmosphäre und dem sonst vielfach als elektronischer Blues interpretierbaren musikalischen Charakter verleiht der gelegentlich fast offensive Bass eine rhythmisch treibende zusätzliche Komponente.

Dem ambienten, atmosphärischen, reduzierten Charakter geschuldet, fügen sich die Stücke auf No Hassle harmonisch aneinander, begleiten den Hörer nebenher und leiten seine Gedanken unauffällig. Der Albumbeginn ist fast pure Ruhe. Erst „Springer“ bringt echte Dynamik, die der Aussage Hubers Nachdruck verleiht, das Album sei als „Perkussiver Ambient“ geplant. Die zarten und gelegentlich sogar bedrohlich wirkenden Rhythmusmuster treiben die Stücke voran, lassen sie einen kontinuierlichen Charakter erlangen. Der Hörer fühlt sich durch die Musik isoliert von allem anderen. Analoge Perkussion oder synthetische Beats saugen das Bewusstsein auf. Ganz gefangen erscheinen die Kulissenklänge mal erhebend, mal bedrohlich, mal regressiv, mal visionär.

Entspannen soll der erwähnte Ambient, die Klänge sollen als Massage wirken, verbreitet die Albuminformation. In der Tat lässt sich vorstellen, wie die beiden Musiker sich bemüht haben, jeden Beat, jeden Basseinsatz, jeden Rhythmusfaktor so zu platzieren, dass er über die Ohren eine körperliche Entspannung erzielt. Sicherlich wirkt „No Hassle“ in dieser Weise – aber nur, wenn dies erwünscht ist. Ansonsten droht – vielleicht Genre-immanent – die Langeweile doch überdeutlich. Bei aller Qualität und selbst wenn nicht nur „Fondue“ sogar einen warmen Funk verbreitet, verlangt die entspannte Atmosphäre des Albums im Grunde eine vorhergehende Grundentspannung; diese Voraussetzung erfüllen heute möglicherweise nicht viele Menschen.

Advertisements