Noisy Pig – Disaster # 1

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Disaster #1“ heißt das Album, aber glücklicherweise steht dies ja nicht als Ankündigung für die musikalische Qualität der Noisy Pig’schen Tracks, oder? Natürlich nicht, zumindest nicht für die Hörer, die etwas mit Kaugummi-Comedytronics anfangen können.

Grunzend und quietschend hangelt sich das lärmende Schwein über hüpfende Gummiballbeats. „Disaster #1“, das Album des italienischen Berliners Bernardo Santarelli, ist die musikalische Umsetzung eines umgekippten Ikea-Kinderparadieses. Die Bälle purzeln dabei so wild durcheinander, dass der Hörer zumeist nicht weiß, wo oben und wo unten ist, wo er zuerst hinhören soll. Allerdings lässt die Faszination rasch nach. Zu sehr ähneln sich die Tracks, zu monoton wiederholen sich Figuren und Arrangements. Wie bei einem durchschnittlichen Bildschirmschoner löst Langeweile schnell eine anfängliche Begeisterung ab. Im Grunde ist bei „Silly Pepper“ – dem dritten Stück – alles gesagt. Nach „Panda Brain“ und fünf Minuten sollte also besser das Album enden.

Zwar zeigt Noisy Pig – unter Umständen auch nur sein Remixer – im abschließenden Eats Tapes Remix von „Magic Pee“, dass Santarelli anders kann oder es anders geht. Der Track ist vielleicht nicht besser als der Durchschnitt des Albums, aber er sorgt für Abwechslung und erweitert die Schweine-Klänge in Richtung Club.

Der Rest aber – und dazu zählt auch der weitere „Magic Pee“-Remix von Hawnay Troof – besteht aus erwähntem quiekenden Gesang und Musik, die auch der Soundtrack zu Tom & Jerry sein könnte. Diese beiden Elemente reizt Noisy Pig in all ihren Facetten aus und beweist so, dass sie in dieser Hinsicht eben nur beschränkte Möglichkeiten bieten. Natürlich ist „Wrong Time Capsule“ eine amüsante Miniatur, und ähnliches gilt für „KKP“. Auch „Panda Brain“ funktioniert als Track hervorragend und bildet im Grunde das Album in all seinen Teilen ab. Aber nach 14 Songs sind der Beat, die Ideen und das Konzept nicht nur totgeritten, sondern sogar jeder Existenzberechtigung beraubt.

Auf Albumlänge stellt Bernardo Santarelli tatsächlich die Existenz des Projekts Noisy Pig an sich in Frage – zumindest außerhalb der Kreise der Comedytronics-Fanatiker, falls es die gibt. Herrscht bis zur Mitte noch die Meinung vor, die Idee der Flummibeats, der Verbindung von Comedy und Electronica sei eigentlich gut, nur vielleicht nicht gelungen umgesetzt, herrscht am Ende fast die Überzeugung, die Grundarrangements seien ungefähr so belanglos wie … DJ Ötzi oder Modern Talking. Mit etwas Abstand ist dem natürlich nicht so. Aber eine solche Wirkung, selbst für nur wenige Augenblicke, spricht Bände. Leider.

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