Moderat – Moderat

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Die Ankündigung eines neuen Apparat-Albums hätte nach „Walls“ für leuchtende Augen gesorgt, und spätestens seit ihrer Support-Tätigkeit für Radiohead wäre im Falle eines neuen Modeselektor-Albums auch den beiden Modeselektoren Gernot Bronsert und Sebastian Szary noch mehr Aufmerkeit sicher gewesen als bei „Happy Birthday!“. Die Kooperation der beiden mit Sascha „Apparat“ Ring jedoch schraubte die Erwartungen in kaum zu beschreibende Höhen.

Was aber kann / konnte erhofft werden? Vokalbeiträge von Seeeds Dellé und Paul St. Hilaire sowie ein Shackleton-Remix der Single „Rusty Nails“ ließen Dub-Orientiertes vermuten, wobei die Frage blieb, ob es -Step, -Techno oder -Reggae werden würde. Allerdings wären wohl weder Szary und Bronsert noch Ring zufrieden, wenn ein Album zu einheitlich gelänge.

So sagen „Porc#1“ und „Porc#2“ in kurzer Form, „wir könnten auch ein Radiohead- bzw. ein Arcade-Fire-Album machen, wenn wir denn wollten“, und „A New Error“ gibt dem Album zu Beginn bei aller Basslastigkeit einen routiniert elektronischen Anstrich, der Vertrauen weckt. Vertrauen, dass die Erwartungshaltung an „Moderat“ nicht enttäuscht wird. Ansonsten jedoch treffen die den Dub betreffenden Vermutungen weitgehend zu. Die Vokalaufnahmen von Paul St. Hilaire werden in „Slow Match“ in einen düster pulsierenden, triphoppig reggae-infizierten Dub eingebaut, der bereits Erinnerungen heraufbeschwört, die vom Rest des Albums noch vertieft werden. „Sick With It“ dagegen wird durch oder wegen Dellés Gesang zu einer soliden zentral-europäischen Pop-Reggae-Nummer, die erstaunt, verwirrt, im Albumkontext leicht fehl platziert wirkt, aber vor allem funktioniert.

Den Gesamteindruck des Albums dominieren aber die Single „Rusty Nails“ und das artverwandte, weil ebenfalls mit Rings Gesang versehene, „Out Of Sight“, sowie die instrumentalen Stücke „Seamonkey“, „3 Minutes Of“, „Nasty Silence“ und „No. 22“. In vielen dieser Stücke versuchen sich Moderat erfolgreich kopistisch an einem Dubstep, wie ihn Burial auf Untrue präsentierte, bzw., weniger eng formuliert, an einem durch und durch bekannten Dubstep-Klang. Die Parallelen sind offensichtlich und stören doch nicht, lassen aber fragen, wieso Moderat ihre eigene Kreativität in einer solch epigonalen, imitierenden Art einsetzen. Nichtsdestotrotz stellen diese Nachahmungen eines bekannten Klangbilds selbst kleine Kunstwerke dar.

Die Kooperation von Apparat und Modeselektor liefert nicht ein großes Meisterwerk, einen großen Wurf, der das Jahr 2009 musikalisch bestimmen kann. Vielmehr ist das Moderat-Debüt-Album eine kleine, intensive, nachhaltig aber eher sanft wirkende Perle.

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