Das Bierbeben – Das Bierbeben

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Mit der Single „Die Birne Ist Reif“ trat 2001 Das Bierbeben auf den Platz der deutschen Musik. Die „Hobbyband“ von Tocotronics Jan Müller besteht im Jahr 2009 und drei Alben später aus Müller, Rasmus Engler, Alexander Tsitsigias und becirct durch Julia Wiltons selbst im aggressivsten Duktus noch zuckrig-süßen Gesang. Thies Mynther ist als Produzent weiterhin an Bord. T.Raumschmiere aka Marco Haas mischte das Werk ab.

Klanglich beginnt das un- oder selbst-betitelte dritte Album mit „Dunkle Tage“ weiterhin reichlich electropunkig, parolenhaft und direkt, doch dominiert den Rest eher ein verspielt-synthetischer Indie-Pop. Synthesizer und Indie bilden im heutigen Bierbeben-Klang zwei gleichberechtigte Pole, die von Wiltons Gesang zusammengehalten werden. Wie bereits das zweite Album von Miss Kittin & The Hacker reduzieren die frühen Electroclash/-punk-Künstler heute die Aggressivität und verpoppen bzw. verfeinern ihre Musik. Im Fall von implizit politischen Acts wie Das Bierbeben, führt das zu einem gesteigerten Anteil des hintergründigen Anspruchs der Musik. Nicht nur die Coverversion von Franz Josef Degenhardts „Hochzeit“ verdeutlicht dies. Das Süß-Böse des scheinbaren Kinderlieds im Original wird im Kontrast aus bitterbös und zuckersüß verstärkt. Dunkle, gegenwartsbewusste Schönheit verströmt auch der Rest des Albums. So bringt das pechschwarze „Nihilit“ mit seinen sachte pumpenden Beats diese finstere Atmosphäre zu einem Ende und betont sie eskalierend. Dunkel und fast arglistig doppelbödig geht die Band im vordergründig fröhlich treibenden „Der König“ zu Werke. Dagegen erklingt „Behind The Green Door“ als klassischer Indie-Rockpop. Auch „Wehr Dich Doch“ fällt in diese Rubrik, bevor „Die Übermacht“ als technoid pochendes Ungeheuer aufläuft.

So düster sich viele Teile des Albums geben, so sehr bezaubert es auch. Selbst in harmlosester Schönheit versteckt sich zwar immer eine Protesthaltung und ein fast depressives, realistisch-pessimistisches Welt-Bewusstsein, aber Stücke wie „Abschied“ oder „Wie Ein Vogel“ funktionieren vor allem als verzaubernder, verquerer Elektropop. Das dritte Bierbeben-Album gelingt als beeindruckendes Werk, das sich dauernd wehrt, vollkommen gemocht zu werden, das aber wirklich keinerlei Schwächen zeigt, aber ebenso wenig klar herausragende Höhepunkte besitzt.

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